Gesundheit : Zeig mir dein Gesicht

Gideon Heimann

Ist die Diskussion um den Fingerabdruck im Personalausweis womöglich überflüssig? Die Bundesdruckerei und die Kanadische Kooperationsfirma BioDentity stellten jedenfalls am Mittwoch ein Identifikationssystem vor, das mit den Fotos in den Personaldokumenten bereits bessere Erkennungsarbeit leisten soll. In Tests an zwei nicht genannten Flughäfen habe man eine Kontrollsicherheit von 95 Prozent erreicht, das liege deutlich über den Raten, die mit anderen Methoden wie etwa dem Fingerabdruck erreicht werden können, hieß es.

Aus der Gruppe herausgefischt

Technisch ist das Prinzip vergleichsweise einfach zu erklären: Ein Kamerasystem verfolgt die zu erkennende Person (oder eine, die einen gesicherten Bereich betritt) und sucht das Gesicht. Dabei wird eine "Bewegungsgeschichte" angelegt, aus der das Gerät sogar mit einiger Wahrscheinlichkeit vorausberechnet, wohin sich der Angepeilte bewegen wird. Die Verfolgungsmöglichkeit ist inzwischen so ausgereift, dass eine Person selbst in 15 bis 20 Metern Entfernung auch noch aus einer Gruppe herausgefischt werden kann.

Ist das Gesicht aufgenommen, wird es in bis zu 1800 Rasterpunkte aufgelöst, wodurch sich Charakteristika erfassen und bündeln lassen. Da geht es um den Abstand der Augen zueinander, um die Form des Mundes, der Nase, der Ohren. Setzt man all diese einzelnen Merkmale in Beziehung zueinander, dann ist das Gesicht eines Individuums fast ebenso einzigartig wie sein Fingerabdruck. Nur dass dieser durch seine Geschichte als Hilfsmittel der Kriminologie negativ besetzt ist und es für seine Nutzung bei solchen Kontrollen noch keine rechtliche Grundlage gibt.

Die Gesichtsmerkmale wiederum können mit Daten verglichen werden, die durch die Vorlage des Personalausweises an einem Checkpunkt gescannt werden. Denkbar wäre es auch, diese Daten schon bei der Anfertigung des Ausweises zu nehmen und sie auf einem Chip zu hinterlegen, der auf dem Dokument befestigt ist - aber zwingend notwendig wäre das nicht, sagte Ernst-Theodor Menke, Geschäftsführer der Bundesdruckerei. Eine weitere Möglichkeit ist der Vergleich der von der Kamera genommenen Daten mit solchen, die in Rechnern schon vorliegen, weil sie etwa aus Fahndungsdateien zusammengestellt wurden.

Im Normalfall dürfte diese Technik die Sicherheit dadurch erhöhen, dass für das Flughafen- oder Grenzpersonal ein großer Teil der Routinearbeit entfällt. Der Rechner ist bei seiner Recherche schneller als der Mensch: demnächst könnten fünf Millionen Datensätze in etwa zwei Sekunden durchforstet werden. Das Aufsichtspersonal kann sich dann auf die Personen konzentrieren, die nicht eindeutig identifiziert worden sind. Und für den unbescholtenen Fluggast verringern sich die nervigen und zeitaufwändigen Kontrollen erheblich.

Zusammenarbeit mit Behörden

Die inzwischen privatisierte Bundesdruckerei befindet sich unter dem Unternehmens-Dach der Authentos-Holding, in der sich noch andere Firmen der Sicherheitsbranche zusammengefunden haben. Sie befassen sich mit Hard- und Software für Identifikations- und Zugangssysteme sowie - eben wie die Bundesdruckerei - mit der Herstellung von Dokumenten.

Wie Menke betonte, arbeite man eng mit Bundesministerien und Behörden wie Bundeskriminalamt und Bundesnachrichtendienst zusammen. Schließlich würden auch die Fälscher immer besser, da müsse man ihnen stets mehrere Schritte voraus sein. Wenn die Bestellungen einträfen, wäre man in der Lage, im nächsten Halbjahr die ersten Flughäfen mit einem solchen Sicherheitssystem auszustatten. Über die Kosten jedoch wollte Menke nicht sprechen: "Aber die Preise sind bezahlbar."

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