Gesundheit : Zu viele unschöne Operationen

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„Im Operationsraum liefen Menschen ohne Mundschutz herum; das SilikonImplantat, das steril aus der Packung kam, wurde unsachgemäß in Desinfektionsmittel getränkt.“ Das sind nur zwei der Mängel, die dem Plastischen Chirurgen Hans Rudolph während einer nächtlichen Live-Operation auf RTL am 6. September sehr unangenehm auffielen. Die umstrittenen, auch von der Bundesärztekammer als berufsrechtlich bedenklich kritisierten kosmetischen Eingriffe vor Millionenpublikum sind ein Thema, mit dem sich Rudolph und seine Fachkollegen bei der 42. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie noch bis Sonnabend im Berliner Palace-Hotel befassen.

Darüber hinaus ist es der Fachgesellschaft ein Dorn im Auge, dass sich heute in Deutschland jeder Arzt als „Schönheitschirurg“ bezeichnen darf. Facharzt für Plastische Chirurgie ist jedoch nur, wer sich einer sechsjährigen Weiterbildung unterzogen hat. Die „Kunden“, die sich einem kosmetischen Eingriff unterziehen, werden nach dem Eindruck der Ärzte zudem sorgloser.

Harmlos sind die Eingriffe jedoch nicht. „Selbst ein kleiner Eingriff am Augenlid kann zur Erblindung führen, wenn es zu einer Nachblutung kommt“, warnt Jürgen Hußmann vom Klinikum Emil von Behring, Präsident der Gesellschaft. Er fordert, dass die Operierten mindestens sechs Stunden nach dem Eingriff, „besser noch über Nacht“, im Krankenhaus bleiben.

Zunehmend haben chirurgische Stationen mit Keimen zu kämpfen, gegen die zahlreiche Antibiotika machtlos sind. Hans Rudolph fordert ehrlichere Infektionsstatistiken von den Krankenhäusern. Werden wir sie bald auch von den Fernsehsendern einfordern müssen, die Live-Operationen zeigen? aml

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