Gesundheit : Zukunft der Politikwissenschaften: Stölzl zum OSI: "Ein Institut wie andere"

Maren Balkow

Bei den Auseinandersetzungen um die Zukunft der Politikwissenschaften am Otto-Suhr-Institut (OSI) wird öffentlich, was andernorts über die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Neugestaltung der Berliner Hochschullandschaft lediglich hinter vorgehaltener Hand geäußert wird. Dort sind die geforderten Veränderungen für die einen das unumgängliche Zugeständniss an den Zeitgeist, für die anderen bedeutet sie so etwas wie den Untergang des Abendlandes. Mit seiner Stellungnahme im Mai 2000 hatte der Wissenschaftsrat zugleich und den Startschuss zu neuen Studentenprotesten am OSI gegeben. Über das traditionsreiche Institut in Berlin Dahlem heißt es im Gutachten: "Prekär erscheint die Lage am Otto-Suhr-Institut. ... Es ist nicht zu erkennen, wofür 17 Professuren benötigt werden."

Eine Institutskommission streitet nun heftig um eine neue Strukturplanung. Zwei Fronten stehen sich gegenüber: Die "Reformer", jüngere Professoren, die mit den Kürzungen die Chance sehen, verkrustete Strukturen zu reformieren, Bachelor- und Master-Studiengänge nach angelsächsischem Vorbild einzuführen und die Politikwissenschaft auf drei Kernbereiche (Politische Theorie, Systemlehre und Internationale Beziehungen) zu konzentrieren. Auf der anderen die "Alteingesessenen", die für den Erhalt des integrationswissenschaftlichen Studiums, das sich auch mit Ökologie und Ökonomie, Rechts- und Genderfragen auseinandersetzt, eintreten. Und schließlich die Studenten, die ihr Recht auf ein breitgefächertes, kostenfreies Studium einklagen.

Mit einem Forum hat der "Spiegel" die streitenden Parteien mit Wissenschaftssenator Christoph Stölzl und FU-Präsidenten Peter Gaehtgens am Dienstagabend an einen Tisch gebracht. Martin Doerry, stellvertretender Chefredakteur des Magazins, stellte gleich zu Beginn die brennende Frage, ob die Entscheidung, das Institut mit 68er-Tradition von ehemals 48 Professuren auf 10 zu kürzen, nicht politisch ambitioniert sei. Stölzl antwortete ohne Umschweife; "Die Politikwissenschaft in Berlin ist ein Fach wie jedes andere auch. Ihre Schlüsselstellung in der Wissenschaft hat sie längst verloren.

FU-Präsident Gaehtgens schob die Spielkarte weiter: Die Hochschulen litten unter Finanznöten. Der Senat erwarte, dass die Universitäten die Vorschläge des Wissenschaftsrates umsetzen, aber die Professoren spielten nicht mit. Das könnten sie gar nicht, so Eberhard Sandschneider, Institutsleiter am OSI. Mit einer Beschneidung auf zehn Professuren nehme man der Einrichtung ihre hauptstädtische Bedeutung.

OSI-Professor Peter Grottian griff Stölzl und Gaehtgens an: "Mit der Verbetriebswirtschaftlichung machen Sie dieses Institut zunichte! Was sagen eigentlich die Naturwissenschaften zu Rechtsradikalismus, zum Umbau des Sozialstaates oder zum Nahost-Konflikt?" Studentenvertreterin Katharina Lennert nannte es einen politischen Skandal, wie die Bildung in den letzten Jahren heruntergekürzt wurde. Außerdem macht sie es der Politik zum Vorwurf, dass unter dem Vorwand des Sparzwangs nach und nach ein das angelsächsische Hochschulsystem eingeführt werden soll.

Was am Ende des Forums blieb? Versprechungen. Drohungen. Und ein Lächeln. Wissenschaftssenator Stölzl versprach, beim "Poker" mit seinen Senatskollegen um den Etat für Wissenschaft und Forschung "alles herauszuholen". FU-Präsident Gaethgens will sich den Chancen einer Internationalisierung öffnen. Professor Grottian, droht, zusammen mit anderen Kollegen, die Arbeit niederzulegen, während Studenten die erneute Besetzung des Instituts und Warnstreiks planen.

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