Gesundheit : Zwangsehen, Liebesheirat, Single-Dasein

HEIKO SCHWARZBURGER

Die FU ordnet ihre Fachbereiche neu / Verwaltungsreform kommt in GangVON HEIKO SCHWARZBURGERVernunftehe, Liebesheirat, wilde Ehe, Eheverträge - weil Papa die Mitgift zu kürzen droht, betätigte sich der Akademische Senat der FU als Hochzeitsvermittler.18 Bräute und Freier (alte Fachbereiche) sollten sich zu größeren Fakultäten finden, damit die Verwaltungsreform in Gang kommen kann.Nach sechs Stunden blumiger Reden und ausschweifender Appelle war dann die Neuordnung der Fachbereiche perfekt.Künftig bilden zwölf Fakultäten das Rückgrat der Universität, der Vorschlag der Entwicklungs- und Planungskommission (EPK) ging im Prinzip durch.Der Akademische Senat folgte der Idee, die Hochschule methodisch zu gliedern.So gibt es künftig eine geschichtswissenschaftliche Fakultät, eine philologische Fakultät, einen empirisch-sozialwissenschaftlichen Bereich und die Humanwissenschaften, die sich auf pädagogisch-didaktische Methoden stützen.Die Wirtschaftswissenschaften und die Juristen sollten erst unter ein gemeinsames Dach, wollten dann aber doch nicht, so daß sie zwei Fakultäten mit einer gemeinsamen Verwaltung bilden. Die Naturwissenschaften fanden sich zu vier Fakultäten, die Physiker gaben der Mathematik einen Korb und führen fortan ein Single-Dasein.Die beiden medizinischen Fakultäten Humanmedizin und Veterinärmedizin blieben unangetastet.Der Antrag der sogenannten Orchideenfächer auf eine eigene Fakultät wurde abgeschmettert, sie müssen in die Zwangsehe mit den Historikern. Die drei regionalwissenschaftlichen Zentralinstitute der FU bleiben erhalten.Das Zentralinstitut für Fachdidaktik hingegen wird aufgelöst, seine Kapazitäten verteilen sich auf die zugrundeliegenden Fächer wie Chemie oder Physik."Wir müssen nun innerhalb Berlins zu einer Koordination mit den Fachdidaktiken an der Humboldt-Universität und der TU kommen", sagte Hans Merkens, Chef der EPK.Die FU wird insgesamt vierzig Prozent der Berliner Kapazitäten zur fachdidaktischen Ausbildung künftiger Lehrer beisteuern.Eine gemeinsame Kommission aller Berliner Universitäten soll die Fachdidaktik stadtweit koordinieren.Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten organisiert die Universität in Zukunft durch sogenannte Interdisziplinäre Zentren.Hierfür bestehen sehr gute Voraussetzungen in den Forschungen zu Ostasien und dem Vorderen Orient sowie in den Biowissenschaften unter Beteiligung der Pharmakologen und Mediziner. Mit zwölf Fakultäten hofft die FU, die ihr auferlegten Einsparungen zu erfüllen.Vor allem die nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter stehen zur Disposition, "allerdings denkt keiner an betriebsbedingte Kündigungen oder Herabstufungen", wie FU-Kanzler Wolf-Dietrich von Fircks erneut versicherte."Der soziale Besitzstand muß gesichert bleiben." Nach seiner Auffassung könnten mit der neuen Struktur und schlanken, dezentralen Verwaltungen, die sofort vor Ort entscheiden, rund 350 Mitarbeiter der zentralen Verwaltung (ZUV) abgebaut werden.Das entspricht einer Einsparung von rund 25 Millionen Mark bis 2001.Nach der Jahrtausendwende sollen an der ganzen Universität nur noch 1320 Techniker und Verwaltungsangestellte arbeiten, 400 weniger als zur Zeit."Die Mitarbeiter müssen aber bereit sein, veränderte Tätigkeiten an anderen Arbeitsorten, etwa Umsetzungen in die Bibliothek, zu akzeptieren", meinte der Kanzler."Dabei entsteht ein erheblicher Bedarf an Weiterbildung." Das Verhältnis zwischen wissenschaftlichem und nichtwissenschaftlichem Personal hatte der Akademische Senat bereits auf einer früheren Sitzung mit eins zu eins festgelegt."Der akademische Mittelbau ist so gut es geht zu schützen", meinte FU-Vizepräsident Peter Gaehtgens."Sonst sind wir bald ruiniert." Schon jetzt stellt die Universität neue Wissenschaftler nur unter der Hoffnung ein, daß sie in den Stellenabbau auch tatsächlich in den nächsten zwei Jahren schafft.Die Zahl der Professuren ist auf 360 begrenzt.Einschließlich der Medizin hätte die FU 2001 etwa 500 Professoren.

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