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Gewitter im Osten Deutschlands : Unwetterwarnung für Berlin und Brandenburg aufgehoben

Nach Unwettern in Süddeutschland gab es auch Gewitter in Brandenburg und Berlin. Auch die S-Bahn war von einem Blitzeinschlag betroffen. In Schwäbisch Gmünd hat die Polizei die beiden vermissten Toten geborgen.

von , und Anna Graefe
Eine dunkle Gewitterzelle zieht mit heftigen Sturmböen über ein Getreidefeld nahe Petersdorf im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg). Patrick Pleul/dpa
Eine dunkle Gewitterzelle zieht mit heftigen Sturmböen über ein Getreidefeld nahe Petersdorf im Landkreis Oder-Spree...Patrick Pleul/dpa

In der Nacht zum Montag richteten Unwetter in Bayern und Baden-Württemberg große Verwüstungen und Zerstörungen an. Vier Menschen sind ums Leben gekommen. Auch für Montag zogen heftige Gewitter über Deutschland. Die wichtigsten Nachrichten und Entwicklungen vom Montag lesen Sie in unserem Liveblog nach.

+++ Weitere Gewitter am Dienstag: Auch wenn es sich vorerst in Berlin und Brandenburg beruhigt hat, werden am Dienstag und am Mittwoch weitere schwere Gewitter erwartet. Die Unwetterwarnungen für Berlin und Brandenburg waren am Montagabend aufgehoben.

+++ Baum auf Oberleitung: In der Oranienburger Straße krachte ein Baum auf die Oberleitung der Tram M1. Auch zwei Autos vergrub er unter sich. Verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr rückte an und trug den Baum ab. Der BVG-Notfallmanager war vor Ort, der Strom für die Straßenbahnlinie wurde abgeschaltet. Der Tramverkehr der Linie M1 ist unterbrochen. In der Luitpoldstraße in Schöneberg kam es nach einem Blitzeinschlag zu einem Dachstuhlbrand. Verletzt wurde niemand, die Feuerwehr brachte den Brand schnell unter Kontrolle.

+++ Keine Unwetterwarnungen für Berlin: Das Gewitter ist über Berlin hinweggezogen. Laut der Feuerwehr gibt es besonders im Süden und Südosten der Stadt Einsätze. Bis jetzt gab es keine Informationen dazu, ob Personen zu Schaden gekommen sind. Die Feuerwehr ist vor allem wegen Wasserschäden und umgeknickten Bäumen unterwegs. Für Berlin und den größten Teil von Brandenburg ist derzeit auch keine Unwetterwarnung mehr ausgeschrieben.

+++ Gewitter zieht über Berlin: Die Unwetter ziehen weiter in den Norden Deutschlands. In Berlin und in Teilen von Brandenburg wird noch vor schweren Gewittern in den Abendstunden gewarnt. Es wird mit Sturmböen bis 65 km/h sowie Starkregen mit Niederschlagsmengen um 15 l/m² pro Stunde gerechnet. Zurzeit zieht eine erneute Gewitterfront über Berlin.

+++ S-Bahn-Weiche vom Blitz getroffen: In Berlin war die S-Bahn-Linie S2 zwischen Blankenburg und Buch am Montagnachmittag unterbrochen - der Grund: In Karow wurde eine Weiche vom Blitz getroffen. Mittlerweile fährt sie aber wieder im Zehn-Minuten-Takt. Darüberhinaus ist die S-Bahn aktuell nicht vom Wetter betroffen. Auch wenn eine Weiche nicht erhöht liegt - "das sind stromführende Teile, da kann das schon mal sein", sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn.

In dieser Bahnunterführung in Schwäbisch-Gmünd sind in der Nacht zu Montag bei heftigen Regenfällen zwei Menschen ums Leben gekommen. Foto: Reuters
In dieser Bahnunterführung in Schwäbisch-Gmünd sind in der Nacht zu Montag bei heftigen Regenfällen zwei Menschen ums Leben...Foto: Reuters

Währenddessen warnt der Deutsche Wetterdienst in den Kreisen Prignitz, Ostprignitz-Neuruppin, Oberhavel, Barnim und Uckermark vor schwerem Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel - eine Unwetterwarnung der Stufe 3 (von vier).

+++ Die beiden vermissten Männer tot aus Kanal in Schwäbisch Gmünd geborgen: Die beiden nach dem verheerenden Unwetter in Schwäbisch Gmünd vermissten Männer sind tot geborgen worden. Ihre Leichen wurden am Mittag aus einem Kanalschacht geborgen, wie die Polizei mitteilte. Ein 21-Jähriger aus Schwäbisch Gmünd sei am Sonntagabend in einer Bahnunterführung von Wassermassen umgeworfen und in den Schacht gesogen worden. Beim Versuch, dem Verunglückten zu helfen und ihn aus dem Schacht zu befreien, sei ein 38 Jahre alter Feuerwehrmann ebenfalls hineingesogen worden. Am Vormittag hatte das Lagezentrum des Innenministeriums erklärt, man warte mit der Bergung der Opfer aus dem mit Schlamm bedeckten Schacht, um nicht noch weitere Menschen in Gefahr zu bringen. „Nach menschlichem Ermessen sind beide tot.“ Schließlich wurden die Leichen gegen 12.20 Uhr in dem Kanal entdeckt.

+++ Unwetterwarnung auch für das Havelland: Auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes werden ständig die Warnungen aktualisiert. Mittlerweile auch betroffen: Der Kreis Havelland. Alle Infos dazu finden Sie unter diesem Link.

+++ Gewitter auch bei Twitter: Pankow bis Westend - Twitter-User posten ihre Eindrücke.

So sieht's gerade aus - für die orangen Gebiete gibt's amtliche Warnungen, bei den anderen gibt es eine "Vorabinformation". Screenshot: Deutscher Wetterdienst
So sieht's gerade aus - für die orangen Gebiete gibt's amtliche Warnungen, bei den anderen gibt es eine "Vorabinformation".Screenshot: Deutscher Wetterdienst

+++ Amtliche Warnung vor starkem Gewitter in Berlin: Es donnert über Kreuzberg - und der Deutsche Wetterdienst warnt vor örtlichen Gewittern mit Sturmböen von rund 75 Stundenkilometern und Niederschlägen um die 20 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit. Auch Hagel ist möglich. Hintergründe zum Gewitter finden Sie hier.

+++ Unwetter-Opfer von Schwäbisch Gmünd noch nicht geborgen: Die Polizei sucht noch nach den zwei Unwetter-Opfern von Schwäbisch Gmünd. Man wolle mit einem Bergungsversuch nicht noch weitere Menschen in Gefahr bringen, hieß es beim Lagezentrum des Innenministeriums. Laut Polizei wurde am Sonntagabend ein Mann in einer Bahnunterführung durch Wassermassen in einen Kanalschacht gesogen. Beim Versuch, ihm zu helfen und ihn aus dem Schacht zu befreien, wurde auch ein Feuerwehrmann hineingesogen. Beide Männer sind seither vermisst. „Nach menschlichem Ermessen sind beide tot“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart am Vormittag über die Gmüder Opfer. Hundertprozentige Gewissheit habe man erst, wenn die beiden Leichen geborgen seien - dies sei bisher aber nicht möglich gewesen. Schon am frühen Morgen hatte der Krisenstab im baden-württembergischen Innenministerium drei Todesfälle bei den Überschwemmungen und Unwettern im Südwesten bestätigt - zwei in Schwäbisch Gmünd und einen in Weißbach im Hohenlohekreis.

+++ Nun drohen Unwetter im Westen und Norden: Die Unwettergefahr im Süden ist vorerst vorbei, die Gewitter haben sich nach Westen und Norden verlagert. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte am Montagmittag nirgends vor Unwettern, es gab allerdings Vorwarnungen: Für den Westen galten am Vormittag Warnungen der Stufe zwei auf der vierteiligen Warn-Skala vor Gewittern mit Starkregen und Windböen mit Geschwindigkeiten von 60 Kilometern pro Stunde. Das traf für weite Teile Nordrhein-Westfalens zu. Für den Nordwesten, Norden und Osten - Niedersachsen, das südliche Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg - galten Vorwarnungen vor schweren Gewittern für den Nachmittag und die Nacht zum Dienstag. Die gesamte Südhälfte Deutschlands einschließlich Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und den Südwesten Sachsens war am Montagmittag auf der DWD-Warnkarte grün eingefärbt - das bedeutet „keine Warnungen“. Ausgenommen war nur der äußerste Südwesten Baden-Württembergs. Dort warnte der DWD vor Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 85 Kilometern pro Stunde in Regionen oberhalb von 1000 Metern.

+++ Schülerin suchte Schutz vor Regen - von IC erfasst und getötet: Im Zusammenhang mit den schweren Unwettern in Baden-Württemberg gibt es ein viertes Todesopfer. Wie die Polizei in Aalen am Montag mitteilte, starb am Sonntagabend ein 13 Jahre altes Mädchen an der Bahnstrecke zwischen Schorndorf und Urbach. Die Schülerin habe zusammen mit einem zwölf Jahre alten Jungen auf dem Heimweg unter einer neu gebauten Eisenbahnbrücke Schutz vor dem Regen gesucht. Während dieses Aufenthalts habe sich das Mädchen wohl zu nahe an die Gleise begeben und sei von einem vorbeifahren Intercity erfasst und getötet worden. Ihr Begleiter sei unverletzt geblieben, der Junge musste psychologisch betreut werden.


+++ In einer Nacht fiel so viel Regen wie sonst in einem Monat: Die Unwetter haben dem Südwesten und Süden in der Nacht zum Montag wahre Regenmassen gebracht. Innerhalb von zwölf Stunden - von Sonntagabend 18 Uhr bis Montagfrüh 6 Uhr - seien in Kirchberg-Herboldshausen an der Jagst östlich von Heilbronn 93 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen worden, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Örtlich dürften die Mengen noch höher gewesen sein. Die größte in einer Stunde gemessene Niederschlagssumme im DWD-Messnetz fiel in Hohenthann etwa 70 Kilometer nordöstlich von München. Von 20.00 bis 21.00 Uhr prasselten dort 65 Liter auf den Quadratmeter herunter. Zum Vergleich: Der Monats-Durchschnitt für Mai beträgt für Bayern 90 Liter pro Quadratmeter, für Baden-Württemberg 96 Liter pro Quadratmeter.

+++ Experte: Gewitter zogen ungewöhnlich langsam weiter: Das langsame Weiterziehen der Gewitter war laut Experten hauptverantwortlich für die extremen Überschwemmungen am Sonntagabend in Süddeutschland. Von extremen Wetterlagen sprach Meteorologe Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst (DWD): „Das Ungewöhnliche gestern war, dass wir in einer relativ druckschwachen Situation waren.“ Die Gewitter seien deshalb nur sehr langsam weitergezogen. „Dementsprechend lagen die intensiven Niederschläge relativ lange über den gleichen Gebieten.“ In einigen Gebieten habe es bis zum Morgen mehr als 100 Liter pro Quadratmeter geregnet. „Das ist schon eine außergewöhnliche Situation.“ Bei den Unwettern und Überschwemmungen starben höchstwahrscheinlich mindestens vier Menschen. Am schlimmsten getroffen wurde Baden-Württemberg. Die Gewitter habe der Wetterdienst schon Stunden zuvor vorhergesagt: „Das ist nicht nur gestern Abend über uns reingebrochen, sondern das hat sich schon ein bisschen abgezeichnet“, sagte Jonas. „Wir haben schon einige Stunden im Voraus den Schwerpunkt dieser Gewitter richtig erkannt“. Wegen unterschiedlicher Signale sei es jedoch schwierig gewesen, die präzise Lage und Intensität der Niederschläge vorherzusehen.

+++ Hochwasser-Autos nicht sofort starten: Autos, die im Hochwasser gestanden haben, sollte man keinesfalls sofort wieder starten. Bei Elektronik und Motor kann es ansonsten zu großen Schäden kommen, warnt der Auto Club Europa (ACE). Unverbrannter Kraftstoff kann dem Katalysator schaden, Wasser im Zylinder etwa beim Anlassen den Motor zerstören. Ein nasser Luftfilter und Wasser im Kasten des Luftfilters sind Indizien dafür. Nur wenn das Auto höchstens bis zur Türunterkante im Wasser stand, sollte man laut ACE überhaupt einen Startversuch in Eigenregie unternehmen. Ansonsten überlässt man diese Aufgabe einem Fachmann. Springt das Auto an, sollten Autofahrer die ersten Meter nur im Schritttempo zurücklegen. Zwischendurch sollten sie immer mal wieder bremsen, um Schmutz von den Belägen zu bekommen. (mit Agenturen)

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