Glücksspiel : Sperren helfen gegen Spielsucht

In Deutschland steigt die Zahl der Spielsüchtigen. Durch Sperren und einem Internet- und Werbeverbot kann den Betroffenen geholfen werden.

Volker Rueß

BerlinFrank (Name geändert) hat es vorerst geschafft: Nachdem er jahrelang an Automaten sein Geld verspielte, und seine Familie zerrüttete, ist er jetzt trocken. Er war einer von schätzungsweise 100.000 bis 400.000 Spielsüchtigen in Deutschland, die immer mehr werden und seit 2008 vom Glücksspielstaatsvertrag geschützt werden sollen. Dieser reguliert das staatliche Monopol auf Glücksspiele und beinhaltet unter anderem ein Internet- und Werbeverbot für Glücksspiele sowie die Schaffung eines übergreifenden Sperrsystems für Süchtige.

Davon profitierte auch Frank, der sich selbst sperren ließ und seither nicht mehr in Casinos spielen darf. Christine Köhler-Azara, Landesdrogenbeauftragte von Berlin, wo schätzungsweise 17.000 Spielsüchtige leben, zieht eine positive Bilanz des ersten Vertragsjahres: Dem Thema Spielsucht werde mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit geschenkt. „Maßnahmen zur Prävention und Hilfen für Glücksspielsüchtige konnten ausgebaut werden“, sagte sie am Dienstag in Berlin.

Handlungsbedarf sieht sie hingegen in Bereichen, die noch nicht von dem Staatsvertrag erfasst sind: So gelten Geldspielgeräte, wie sie in zahlreichen Gaststätten zu finden sind, nur als Unterhaltungsgeräte. Sie werden aber nach Angaben von Caritas von 80 Prozent der Süchtigen bespielt. Es sei daher wichtig, die Regularien und die Prävention entsprechend zu ergänzen und auszubauen, sagte Köhler-Azara.

Laut Caritas beträgt der Umsatz auf dem deutschen Glücksspielmarkt jährlich rund 28 Milliarden Euro. Zehn bis 15 Jahre brauche ein durchschnittlicher Spieler, bis er professionelle Hilfe in Anspruch nehme, sagte Andreas Koch, Experte für Spielsucht. Bis dahin mache er im Schnitt 29 000 Euro Schulden.

Auch Frank suchte erst Hilfe, als er sich selbst nicht mehr im Spiegel betrachten mochte. Obwohl er jetzt „trocken“ ist, kann er nicht sicher sein: Er kennt Fälle, die nach 10 Jahren Abstinenz wieder in altes Suchtverhalten zurückfielen - „Heilung gibt es eben nicht“.Volker Rueß

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