Golden Gate Bridge in San Francisco : Ein Mythos feiert Jubiläum

Die Golden Gate Bridge: Zunächst umstritten, dann bewundert. Heute wird sie 80 Jahre alt.

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Wahrzeichen von San Francisco. Selbst ein Erdbeben der Stärke 7,1 im Jahr 1989 konnte der 2,7 Kilometer langen Hängebrücke nichts anhaben. Foto: dpa/Andrew Gombert
Wahrzeichen von San Francisco. Selbst ein Erdbeben der Stärke 7,1 im Jahr 1989 konnte der 2,7 Kilometer langen Hängebrücke nichts...Foto: dpa/Andrew Gombert

Ihre hohen Pfeiler, der elegante Schwung ihrer Halteseile und ihre leuchtend rote Farbe haben die Golden Gate Bridge in San Francisco zu einem der berühmtesten Bauwerke der Welt gemacht. Zum 80. Geburtstag der insgesamt rund 2,7 Kilometer langen Hängebrücke an diesem Samstag werden Politiker und Bewunderer die Schönheit der kühnen Konstruktion loben – dabei war das Brücken-Projekt lange heftig umstritten. Mehr als 2000 Beschwerden gingen in den 1920er und 1930er Jahren gegen die Brücke ein, wie US-Medien aus Anlass des Jahrestages berichten. Unter den Klägern waren Umweltschützer, die eine Verschandelung der Golden-Gate-Bucht am Pazifik befürchteten, und das Eisenbahnunternehmen Southern Pacific Railroad, das Einbußen für den von ihm betriebenen Fährverkehr über die Bucht verhindern wollte. Ein erster Entwurf für die Brücke war von der Öffentlichkeit zudem als hässlich abgelehnt worden.

Schlüsselfigur bei dem Projekt war der Ingenieur Joseph Strauss, Sohn einer deutschstämmigen jüdischen Familie aus Cincinnati. Er musste sich beim Brückenbau nicht nur mit den vielen Einsprüchen und Finanzierungsproblemen herumschlagen, sondern stand auch vor fachlichen Herausforderungen: Noch nie war eine so lange Hängebrücke gebaut worden. Auch nach ihrer Eröffnung nach vierjähriger Bauzeit am 27. Mai 1937 blieb die Brücke mit der 1,3 Kilometer langen Strecke zwischen den beiden Hauptpfeilern noch über Jahrzehnte die längste Brücke ihrer Art weltweit.

Brücke wird von mehr als einer Million Stahlnieten zusammengehalten

Der Standort sorgte ebenfalls für Schwierigkeiten, die überwunden werden mussten. Der starke Wind in der Bucht vor San Francisco erforderte besonders starke Halteseile. Strauss bestellte sie bei derselben Firma, die Seile für die Brooklyn Bridge in New York angefertigt hatte: fast 130 000 Kilometer an Stahlsträngen wurden an der Golden Gate Bridge verbaut. Mehr als eine Million Stahlnieten halten die Brückenpfeiler bis heute zusammen. Selbst ein Erdbeben der Stärke 7.1 im Jahr 1989 konnte ihnen nichts anhaben.

Auch in puncto Arbeitssicherheit war Strauss ein Pionier. Er machte Schutzhelme für die Arbeiter zur Pflicht und achtete bei seinen fast täglichen Inspektionen auf der Baustelle auf die Einhaltung der Regeln. Strauss ließ zudem Haltenetze unter der Brücke spannen. Nur einmal versagten das System: Bei einem Unfall kurz vor der Fertigstellung riss das Netz – zehn Arbeiter starben beim Sturz aus mehr als 60 Meter Höhe ins Meer.

Berühmt wurde die Golden Gate Bridge wegen ihrer Eleganz, ihren Pfeilern mit Art-Deco-Verzierungen und ihrer leuchtend orange-roten Farbe, genannt „International Orange“. Bei der Wahl der Farbe setzten sich die Ingenieure und Architekten gegen mehrere Forderungen durch – zum Glück, muss man heute sagen. Die amerikanische Marine zum Beispiel wollte die Brücke in Schwarz mit gelben Streifen sehen. Die rötliche Grundierung der Brückenpfeiler lieferte schließlich die Inspiration für das „International Orange“, das die Brücke weltweit einzigartig macht.

Neue Auffangnetze sollen Selbstmorde verhindern

Bei der Eröffnung der Brücke vor 80 Jahren feierte San Francisco eine ganze Woche lang. Heute passieren täglich bis zu 160 000 Fahrzeuge und viele Fußgänger und Radfahrer die Brücke. Mehrere Dutzend Arbeiter halten das Bauwerk in Schuss, wechseln Stahlnieten aus und erneuern die Farbe, ein Job, der auf den fast 230 Meter hohen Pfeilern nicht jedermanns Sache ist.

Wegen des leichten Zugangs zu den Fußwegen entlang der Brücke ist die Golden Gate Bridge aber auch zu einem Magneten für Selbstmordkandidaten geworden. Durchschnittlich alle zwei Wochen springt ein Verzweifelter vom Brückengeländer aus in den Tod. Neue Auffangnetze an den Seiten der Brücke sollen die Selbstmörder aufhalten.

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