Golf von Mexiko : BP: Ölleck ist erstmals gestopft

Im Golf von Mexiko ist es BP am Donnerstag erstmals seit Beginn der größten Ölkatastrophe in der US-Geschichte gelungen, den Ölfluss aus dem defekten Bohrloch zu stoppen. Der Vizechef des Unternehmens warnt aber vor zu großer Zuversicht.

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20. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon" explodiert, elf Arbeiter sterben. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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19.04.2011 13:0120. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon"...

Drei Monate nach Beginn der Ölpest konnte der BP-Konzern am Donnerstag endlich einen ersten Erfolg vermelden: Es fließt kein neues Öl mehr ins Meer. Experten von BP gelang es, alle Ventile eines Auffangzylinders zu schließen. Das Ölleck vor der US-Küste sei damit zumindest vorübergehend geschlossen, sagte BP-Topmanager Ken Wells am Donnerstag. Es ist der erste entscheidende Durchbruch im Kampf gegen die schwere Ölpest. Seit 20.20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit „fließt kein Öl mehr in den Golf von Mexiko“, sagte Wells. Allerdings warnte er zugleich vor überzogenen Erwartungen. Zunächst bleibe das Leck in 1500 Meter Tiefe lediglich zu Testzwecken geschlossen. Diese Tests würden zwischen 6 und 48 Stunden dauern.
Zuvor hatte eine neue Panne am Unglücksbohrloch im Golf von Mexiko die Hoffnung geschmälert. Im Leitungssystem, das zu der neuen Absaugglocke gehört, die am Montag installiert worden war, war ein Leck entdeckt worden. Es musste repariert werden, bevor BP die Drucktests am Donnerstag fortsetzen konnte, mit denen die Dichtigkeit der neuen Vorrichtung überprüft wird.

Die Drucktests sind ein Risiko für sich. Seit Tagen diskutieren Experten in den USA, wie sie verlaufen sollen, um zu verhindern, dass sie die Situation verschlimmern. Am 20. April war die Bohrplattform „Deepwater Horizon“ explodiert. Seither strömten jeden Tag unter großem Druck mehrere Millionen Liter aus dem Bohrloch in 1500 Meter Wassertiefe – genauer: Sie strömten aus dem 450 Tonnen schweren Blowout Preventer, der auf dem Bohrloch sitzt, sowie aus den daran angeschlossenen Steigleitungen.

Kann der Meeresboden dem Druck standhalten?

Bei den Überlegungen, wie man den Austritt von Öl verhindern kann, ist eine Option, alle Öffnungen des Blowout Preventers zu verschließen. Doch dabei ist zu beachten, dass die Öllagerstätte unter dem Meeresboden unter sehr hohem Druck steht. Die entscheidende Frage ist, was passiert, wenn es BP gelingt, den Blowout Preventer zuzustöpseln. Wohin richtet sich dann der enorme Druck? Ist der Meeresboden rund um das Bohrloch und sind die Gesteinsschichten darunter intakt und können ihm standhalten – so wie sie es seit Millionen Jahren getan hatten, ehe Menschen die Lagerstätte anbohrten? Oder hat die Explosion am 20. April Risse in der Umgebung des Bohrlochs verursacht, durch die sich das unter hohem Druck stehende Öl und Gas einen Weg ins Freie suchen, sofern man die einzige reguläre Bohröffnung verschließt.

Dann nämlich würde die Situation schlimmer als bisher: Rohöl würde aus solchen Rissen im Meeresboden ins Wasser strömen, über denen es keine Auffangvorrichtung gibt. Bisher hat BP es mit nur einer Öffnung zu tun: dem alten Bohrloch, auf dem der Blowout Preventer sitzt. Auch der war seit dem Unglück nie ganz dicht. Aber im Laufe der 87 Tage seither war es gelungen, immer größere Auffangkapazitäten für das ausströmende Öl zu schaffen. Mittlerweile sind drei Tankschiffe vor Ort und gibt es genug Steigleitungen, so dass BP im Prinzip alles Öl in die Tankschiffe leiten kann. Das gilt freilich nur, solange keine Arbeiten am Blowout Preventer die Operation unterbrechen – sowie bei ruhiger See. Bei Stürmen wird die Arbeit unterbrochen.

Suche nach der besten Lösung geht weiter

Die nachhaltige Lösung ist, das Bohrloch zu verschließen. Der Versuch, das von oben zu tun, war im Mai gescheitert. Auch damals spielten die Druckverhältnisse die entscheidende Rolle. BP hätte den Druck, mit dem das Öl von unten ins Freie drückt, mit noch größerem Gegendruck von oben in das Bohrloch hinein kontern müssen. Der Versuch wurde abgebrochen, als der nötige Druck ein solches Ausmaß erreichte, dass BP befürchten musste, die Einfassung des Bohrlochs werde nicht standhalten und es würden die Risse in der Umgebung entstehen, die um jeden Preis zu vermeiden sind.

Die andere nachhaltige Lösung wäre der Verschluss des Bohrlochs von innen. Zu diesem Zweck werden Entlastungsbohrungen in den alten Bohrschacht mehrere hundert Meter unter dem Meeresboden vorangetrieben, wo die Gesteinsschichten intakt sind. Diese Arbeiten sind dem Zeitplan voraus. Die Bohrungen werden ihr Ziel bereits Ende Juli und nicht erst Mitte August erreichen. Durch diese Zugänge will BP Material in den Bohrschacht drücken, das ihn endgültig von innen verschließt. (mit dpa)

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