Golf von Mexiko : Entwarnung nach Rissen im Meeresboden

Nach der Sorge um austretende Gase neben der Unglücksstelle haben die US-Behörden Entwarnung gegeben. Doch die Regierung bleibt gegenüber BP misstrauisch.

von
20. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon" explodiert, elf Arbeiter sterben. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
19.04.2011 13:0120. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon"...

Nach Befürchtungen weiterer Ölaustritte im Golf von Mexiko haben die US-Behörden Entwarnung gegeben. Die entdeckten Aussickerungen stünden nicht im Zusammenhang mit der Abdichtkappe über dem lecken Bohrloch des Ölkonzerns BP, sagte der Einsatzleiter der US-Regierung, Admiral Thad Allen, am Montag. Er verlängerte die Belastungstests am Bohrloch erneut um 24 Stunden, die Ölquelle blieb damit vorerst weiter geschlossen.

Die US-Regierung trug dem britischen Energiekonzern BP allerdings auf, den Meeresgrund um die Bohrstelle weiter genau zu kontrollieren. Die in der vergangenen Woche angebrachte Abdichtvorrichtung hatte zum ersten Mal seit dem Beginn der Katastrophe vor drei Monaten das Auslaufen des Öls gestoppt. Allerdings birgt der steigende Druck in dem vier Kilometer tiefen Förderschacht das Risiko, dass sich das Öl einen neuen Weg durch den Meeresboden bahnt.

Die Druckmessungen im Unglücksbohrloch im Golf von Mexiko hatten neuen Anlass zur Besorgnis gegeben. Admiral Thad Allen, der Krisenmanager der Regierung, befürchtet, dass die Explosion der Bohrinsel vor drei Monaten Risse im Gestein unter dem Meeresboden ausgelöst habe, durch die Öl und Gas entweichen können. Es mehren sich zudem Anzeichen für Misstrauen zwischen Allen und dem BP-Konzern. Insbesondere die Frage, wer die Medien über Fortschritte und Rückschläge informiert, scheint Spannungen auszulösen. Anlass war ein Mediengespräch des BP-Managers Doug Suttles am Sonntag. Suttles lobte, dass seit dem vergangenen Donnerstag kein Öl mehr ins Meer fließe. Er sagte, nach der Installation der neuen, dicht schließenden Abdeckkappe sei die Lage so weit unter Kontrolle, dass das Bohrloch bis auf Weiteres geschlossen bleiben könne.

Dieser Darstellung widersprach Allen später in zwei Briefen an BP. Im ersten schrieb Allen, es bleibe bei seiner Anordnung, dass das Bohrloch nur zum Zweck der Druckmessungen geschlossen werde – und dass er alle 24 Stunden von Neuem über eine Verlängerung entscheide. Anschließend solle BP sofort wieder mit dem Abpumpen von Öl beginnen. Ziel des Abpumpens in Tankschiffe ist, dass kein Öl ins Meer fließt, wenn der Druck im Innern des Bohrlochs so stark ansteigt, dass BP Ventile öffnen muss, um eine Explosion zu verhindern.

Im zweiten Schreiben ordnete Allen an, dass BP ihm nun alle paar Stunden schriftlich Bericht über die Entwicklung am Bohrloch erstatten müsse. Es gebe Anzeichen für ein Leck im Meeresboden in der weiteren Umgebung des Bohrlochs. Außerdem hätten die Messungen „Unregelmäßigkeiten am Kopf des Bohrschachts“ ergeben. An der auffallend kühlen Tonlage ließ sich erkennen, dass Allen verärgert war über die positive Darstellung der Lage durch BP. In den drei Monaten seit der Explosion der Bohrinsel hatte der Konzern das Ausmaß der Schäden mehrfach stark untertrieben.

Die Resultate der Drucktests der jüngsten Tage lassen offenbar unterschiedliche Interpretationen zu. Die gemessenen Werte sind niedriger als erwartet. Die eine Erklärung dafür ist, dass in den drei Monaten seit Beginn der Umweltkatastrophe bereits so viel Öl aus dem unterirdischen Lager ins Meer geflossen ist, dass der innere Druck nachgelassen hat. Eine andere Erklärung lautet, dass die Ummantelung des Bohrlochs bei der Explosion am 20. April Risse erlitten hat und dass sich Öl und Gas durch diese Risse einen Weg ins Freie suchen, seit der Kopf des Bohrschachts durch die neue, abgedichtete Abdeckkappe verschlossen ist.

Laut Allen dringen Gaswolken in der weiteren Umgebung des Bohrlochs aus dem Meeresboden. Nun muss geprüft werden, ob sie aus der Lagerstätte stammen oder nicht. Bisher glaubt aber auch Allen offenbar nicht an eine schwerwiegende neue Ölverschmutzung durch die vermuteten Risse. Am Montag erteilte er die Genehmigung, dass das Bohrloch für weitere 24 Stunden geschlossen bleiben dürfe, die zu weiteren Druckmessungen genutzt werden sollen. Experten sagen, wenn Allen Grund für ernste Besorgnis sähe, hätte er angeordnet, dass BP die Abdeckkappe öffnen und wieder mit dem Abpumpen von Öl auf Tankschiffe beginnen müsse. Genaue Erkenntnisse über mögliche Risse in den Wänden des Bohrschachts sind wichtig für die Pläne, das Bohrloch demnächst von innen zu verschließen. Das soll durch Entlastungsbohrungen einige hundert Meter unter dem Meeresboden geschehen.

Das Spezialschiff namens „A Whale“, das Öl auf der Wasserfläche aufsaugen sollte, hat sich unterdessen als Enttäuschung erwiesen. Der in Taiwan für diesen Zweck umgebaute Öltanker ist wegen seiner Größe nicht manövrierfähig genug, um kleinere Öllachen einzufangen. Und die Trennung des Öls vom Wasser funktioniert nicht so effektiv, wie die Schiffseigner versprochen hatten. (mit AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben