Great Barrier Reef : Australien und der neue Umgang mit seinem Welterbe

In einem Beitrag für den Tagesspiegel schreiben die australische Außenministerin Julie Bishop und der Umweltminister Greg Hunt über die Entscheidung der Unesco, das Great Barrier Reef künftig besser zu schützen.

Julie Bishop,Greg Hunt
Das Great Barrier Reef vor der Küste von Queensland.
Das Great Barrier Reef vor der Küste von Queensland.Foto: AFP

 

Das Welterbe-Komitee hat einstimmig Australiens Umgang mit dem Great Barrier Reef, dem Großen Barriereriff, einer internationalen Ikone, unterstützt. Die Unesco hat nicht nur eine Einstufung des Riffs als „gefährdet“ einstimmig zurückgewiesen, ihre Mitglieder haben Australien und sein Management des Riffs auch ausdrücklich gelobt. Das Great Barrier Reef ruft in Australien und der ganzen Welt sehr viele Emotionen hervor. Viele Länder haben nun Australien gelobt, und Deutschland hat Australien als Vorbild für die Welt bezeichnet. Dieses Ergebnis hat große Bedeutung für alle Länder, die Welterbe-Stätten verwalten.

Was die Regierungen von Australien und Queensland erreicht haben, gemeinsam mit dem Welterbe-Komitee und der Unesco, ist ein neuer Weg des Umgangs mit dem Welterbe, der ein Beispiel für andere sein kann, auch indem es an ihre eigenen besonderen Umstände angepasst wird. Das Welterbe-Komitee der Unesco hat seine Besorgnis zum ersten Mal vor vier Jahren zum Ausdruck gebracht und seither eng mit Australien bei der Bewältigung der Gefahren für das Riff zusammengearbeitet, bis hin zu unserem bis 2050 angelegten Nachhaltigkeitsplan für das Riff.

Australien ist auf diese Besorgnis offen und transparent eingegangen. Wir haben uns ausgiebig mit der Unesco und Mitgliedsländern des Welterbe-Komitees beraten und unsere Bemühungen klar aufgezeigt. Wir haben unsere besondere Erfahrung mit Korallenriffen auch mit anderen Ländern geteilt, damit alle Riffe von unseren Kenntnissen profitieren konnten. Das Great Barrier Reef ist eine komplexe und dynamische Meereswelt, mit über 340.000 km² Fläche etwa so groß wie Italien. Seine ökologische Komplexität spiegelt sich in seiner sozialen und wirtschaftlichen Komplexität – das Riff ist und war stets ein Gebiet mit vielfältigen Lebensräumen und Ökosystemen, wo es auch Häfen und Fischerei gibt, wo die Bevölkerung wächst, es aber auch tief verwurzelte traditionelle indigene Eigentümer gibt. Das Riff ist und bleibt eine unvergleichliche Attraktion für Touristen.

Zwei Milliarden Dollar für den Schutz

Die geografischen Ausmaße des Great Barrier Reef vermindern nicht unsere Verantwortung für seinen Schutz. Und wir gehen die vielen Belastungen, denen es ausgesetzt ist, aktiv und effektiv an, mit besten wissenschaftlichen Methoden als Richtschnur für unsere Maßnahmen. Wir schützen das Great Barrier Reef. Wir haben nach unserer Regierungsübernahme 2013 die Pläne für die Abladung von über 60 Millionen Tonnen Aushub im Meerespark des Great Barrier Reef überprüft und fanden sie nicht akzeptabel. Jetzt wird es nicht mehr zu solchen Abladungen kommen. Wir haben – wie wir versprochen haben – die Abladung von Aushubmaterial in dem gesamten Gebiet, das unter Welterbe-Schutz steht, auf Dauer verboten.

Die Zahl der Projekte dazu im Meerespark haben wir von fünf auf null gestrichen. Wir lassen keine neuen Häfen entlang der Küste am Riff anlegen. Wir begrenzen auch alle mit Hafenausbau verbundenen Aushubmaßnahmen auf die bestehenden vier großen Häfen entlang über 2000 Kilometer Küste am Great Barrier Reef. Die australische Regierung und die Regierung des Bundesstaates Queensland werden in den kommenden zehn Jahren über 2 Mrd. A$ (rund 1,4 Mrd. €) in das Riff-Management und damit verbundene wissenschaftliche Projekte investieren, darunter, wie kürzlich angekündigt, weitere 200 Millionen A$ für die Verbesserung der Wasserqualität. Wir wissen aber, dass es - wie für jedes Riff auf der Welt – weiterhin ganz reale Herausforderungen gibt, wie eben den Klimawandel und die Wasserqualität.

Reef 2050 Plan

 Daher haben wir unseren neuen Reef 2050 Plan entwickelt – einen über 35 Jahre laufenden Geamtplan zum Schutz und zur Stärkung der Gesundheit und Widerstandsfähigkeit des Riffs. Unser Plan – Australiens Plan – ist in Partnerschaft mit allen Ebenen der Regierung, der Gesellschaft, traditionellen indigenen Eigentümern, der Wirtschaft und der Wissenschaft entwickelt worden. Der Reef 2050 Plan hat den Stellenwert von nationalen und bundesstaatlichen Gesetzen. Diese beispielhaften Anstrengungen hat das Welterbe-Komitee mit seiner Entscheidung anerkannt. Australien, das Welterbe-Komitee und die internationale Gemeinschaft haben einen neuen Weg gefunden, gemeinsam den herausragenden universellen Wert eines der beeindruckendsten Naturgüter der Welt zu schützen und zu stärken.

Zusammen haben wir einen Konsens erreicht, der Umweltschutzinteressen in Einklang bringt mit einer Beachtung von wirtschaftlichen Erwägungen – dies ist nachhaltige Entwicklung in Aktion. Ein Konzept, von dem oft gesprochen wird, das aber selten umgesetzt wird. Dies ist nicht zufällig geschehen. Australien baut auf 40-jährige Erfahrung im Management des Riffs, verbunden mit jahrzehntelanger wissenschaftliche Forschung und Analyse. Mit unseren strengen Umweltschutzgesetzen und unseren Regelungsinstrumenten haben wir rechtliche Rahmenbedingungen für die Umsetzung dieser neuen Maßnahmen.

Das Great Barrier Reef ist eines der Naturwunder der Erde, und wir sind entschlossen es so zu bewahren.

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