Welt : Great Barrier Reef: Ein Lebensraum für Tausende von Tierarten ist bedroht

Roland Knauer

Das Great Barrier Reef hat - derzeit noch - einen festen Platz unter den Weltwundern der Natur. Zweitausend Kilometer zieht es sich von der Nordspitze Australiens an der Ostküste des fünften Kontinentes nach Süden entlang, bis es in gemäßigten Breiten rund dreihundert Kilometer vor der Küste ausläuft. Verschiedene Klimazonen, der unterschiedliche Abstand zur Küste und wechselnde Umwelteinflüsse schaffen eine Artenvielfalt, die selbst für ein stark bevölkertes Korallenriff außergewöhnlich ist.

1500 Fischarten, rund 350 Spezies von Hartkorallen, mehr als viertausend Weichtierarten - von den Schnecken bis zu den Kopffüßern - und mindestens 400 Arten von Schwämmen leben im Great Barrier Reef. Seekühe und Buckelwale sind dort genauso zu Hause wie das einzige Salzwasser-Krokodil der Erde, das mehr als sieben Meter lange Leistenkrokodil, das auch schon einmal mehr als tausend Kilometer über das offene Meer schwimmt.

Mehr als sechshundert Inseln bieten reichlich Brutplätze für viele Seevogelarten, aber auch für Amphibien, so zum Beispiel für die stark gefährdete Suppenschildkröte, die echte Karettschildkröte und die Lederschildkröte. Die Nähe zur Industrienation Australien garantiert diesem Naturwunder darüber hinaus eine Aufmerksamkeit und einen Tourismus-Boom, der die meisten anderen Riffe in den Schatten stellt: Eineinhalb Millionen Besucher setzen Jahr für Jahr rund eine Milliarde US-Dollar um.

Da können negative Einflüsse auf die Umwelt kaum ausbleiben: die nicht ausreichend gereinigten Abwässer aus Hotels und Erholungsanlagen verschmutzen das Riff, unachtsame oder gedankenlose Taucher beschädigen Korallen - kurz: Homo sapiens touristicus drückt dem Weltwunder seinen dicken Stempel auf, und das meist nicht gerade sehr zartfühlend.

Erheblich subtiler, dafür vielleicht um so vernichtender wirkt die ebenfalls von der modernen Zivilisation zu verantwortende Erwärmung des Weltklimas auf das Riff. Erreichen die Wassertemperaturen 32 Grad Celsius, beginnt das Sonnenlicht, die mit den Korallen in einer engen Symbiose lebenden Algen zu schädigen, bis die Einzeller schließlich absterben. Doch sind es die Algen, die den Korallen die Farbe verleihen. Sind sie weg, bleicht der Stock aus.

Mit den bunten Korallen verliert das Riff aber nicht nur eine Touristenattraktion, es verschwindet gleich selbst. Denn Ausbleichen heißt Sterben, da die Korallen ohne ihren Energielieferanten Alge nicht überleben können.

Auf diese Weise bringt die Klimaerwärmung die Riffkorallen weltweit zum Absterben, der Energiehunger der Menschheit vernichtet eines der faszinierendsten Unterwasser-Ökosysteme der Welt. Die Ursachen sind vielfältig. Da sind die Farmer, die an der Küste Australiens zunehmend Zuckerrohr anbauen, das kräftig gedüngt wird. Jeder Regenfall schwemmt in den lockeren Kulturen kräftig Boden weg, Dünger und Erde gelangen rasch ins Meer. Die meisten Korallen und viele in den Riffen lebenden Organismen aber brauchen klares, nährstoffarmes Wasser.

Die Schleppnetzfischerei wirbelt Sedimente vom Meeresgrund auf und trübt ebenfalls das Wasser. Obendrein holen die Männer viel zu viel Fisch aus den Riffgebieten, die sie dabei auch noch mechanisch schädigen.

Schiffe lassen oft genug illegal Öl und anderen Dreck ab, der sich in der Bilge sammelt, aus Ölbohr-Plattformen fließt die schwarzglänzende Brühe bei Pannen sofort ins empfindliche Ökosystem Riff.

Kurz formuliert: Das Great Barrier Reef ist nicht nur eines der schönsten, sondern auch ein stark bedrohtes Naturwunder der Welt. Deshalb forschen hier mehr Wissenschaftler über die natürlichen Zusammenhänge in einem Riff und die Gefährdung eben dieser vielfältigen Verbindungen, als an irgendeinem anderen solchen Ökogebiet der Welt.

Eine Vielzahl von Naturschutzverbänden engagiert sich für die Erhaltung des Riffs. Der World Wide Fund for Nature WWF hat dem Great Barrier Reef daher einen der vorderen Plätze unter den 232 Global200-Regionen auf dem Globus reserviert. Diese Regionen stellt der WWF auf der Expo 2000 der Weltöffentlichkeit vor, weil sie für die natürliche Zukunft des Planeten unentbehrlich erscheinen.

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