Welt : "Großer Bruder" für kleine Babys

Kaum war Felix in Solingen zur Welt gekommen, hatte er auch schon einen "großen Bruder" am Bein. Wie Felix ergeht es künftig allen Neugeborenen in der Solinger St. Lukas-Klinik - immerhin etwa 700 pro Jahr. Direkt nach der Geburt bekommen die Babys einen 20 Gramm leichten Überwachungsapparat an Ärmchen oder Beinchen gebunden. Der Mini-Computer überträgt den Aufenthaltsort des Babys ins Schwesternzimmer. Das weltweit neuartige System funktioniert seit einem Vierteljahr reibungslos.

Sollte der Versuch unternommen werden, Felix aus der Klinik zu entführen, schrillt ein Alarmton auf der Station, und im Schwesternzimmer blinkt ein rotes Warnlicht. "Wir haben nach einem Weg gesucht, wie wir unsere Klinik vor Kindesentführungen sichern können", erläutert der Chefarzt der Säuglingsstation, Professor Klaus Meinen. Jährlich verschwänden durchschnittlich drei Babys aus deutschen Krankenhäusern.

Sehr gute Erfahrungen habe die Klinik als erste in Deutschland mit dem Entführungsschutz gemacht. Das etwa 50 000 Euro teure System funktioniere reibungslos - allerdings musste der Chip auch noch nie eine echte Entführung vereiteln. "Wir wollten auf keinen Fall geschlossene Abteilungen einführen", sagt Meinen.

"Früher standen die Schwestern unter erheblichem Druck, mussten ständig kontrollieren, ob das Baby noch da war", berichtet Meinen. Jetzt habe das Personal mehr Zeit, sich um die medizinische Versorgung der Neugeborenen zu kümmern.

Schon zwei Stunden nach der Geburt wird den Säuglingen der Chip an einem Bändchen um das Fuß- oder Handgelenk gebunden. Auf ihm sind der Name des Säuglings, sein Geburtsdatum und der Name der Mutter gespeichert. Etwa 50 Meter Bewegungsspielraum haben die Eltern mit ihrem Kind auf dem Arm. Wer sich weiter entfernen will, muss sich abmelden. Sollten Unbekannte versuchen, das Bändchen mit dem Chip abzutrennen, wird ebenfalls Alarm ausgelöst.

Den "QBI Kid Safe" hat die im wenige Kilometer entfernten Haan ansässige Firma MedCom Technologies entwickelt. "Wir können uns vor Anfragen kaum noch retten", sagt Geschäftsführer Karl Heinz Klein. Unterdessen haben die Tüftler noch weitere Anwendungsbereiche ausgelotet.

In einem Altenheim im benachbarten Hilden dienen die Chips schon heute zur Überwachung von Alzheimer-Patienten, die früher oft verschwanden und orientierungslos umherirrten. Auch in Kindergärten soll das System in wenigen Monaten zum Einsatz kommen.

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