Welt : Grünes Licht für Handys im Flugzeug

Rainer W. During

Müssen Passagiere im Flugzeug künftig neben laut telefonierenden Nachbarn sitzen? Rechtlich, technisch und von den Genehmigungen her steht dem nun nichts mehr im Wege, nachdem die EU-Kommission in Brüssel letzte Hindernisse beiseitegeräumt hat. Die Luftverkehrsgesellschaften müssen jetzt nicht mehr die Erlaubnis jedes einzelnen Landes, das überflogen wird, einholen, sondern können das gleich EU-weit tun. Die arabische Fluggesellschaft Emirates hat bereits am 20. März die Vorreiterrolle übernommen und die ersten kommerziellen Handygespräche auf einem Linienflug von Dubai nach Casablanca ermöglicht.

Die Air France erprobt ein derartiges System derzeit auf einem Airbus A 318, der auf europäischen Kurzstrecken eingesetzt wird. Bisher waren Handys im Flugzeug wegen einer angeblichen Beeinträchtigung der Bordelektronik tabu. Schon lange aber gelten die Handys nicht mehr als Gefahr für die empfindlichen Geräte im Cockpit. Um das Telefonieren an Bord zu ermöglichen, muss in der jeweiligen Flugzeugkabine eine eigene Mobilfunkzelle installiert werden, wie sie bisher von drei Firmen angeboten wird. Sie ist dann via Satellit mit dem Netz am Boden verbunden. Damit senden die Geräte nur mit minimaler Leistung, in der Start- und Landephase bleibt die Nutzung aber verboten. Air France aktiviert den Service in einer Flughöhe von 3000 Metern, Emirates in 6000 Metern. Die EU-Kommission hat am Montag technische Standards für die europaweite Handybenutzung in Flugzeugen verabschiedet. Die deutschen Airlines zeigen bisher wenig Interesse an dem neuen Service. Sowohl bei der Lufthansa als auch bei Air Berlin heißt es, man wolle die Telefonate an Bord wegen der zu befürchtenden Belästigung der übrigen Passagiere nicht erlauben. Bei Air France und Emirates ist die Zahl der gleichzeitigen Handygespräche auf sechs begrenzt, obwohl die Technologie nach Angaben der französischen Fluggesellschaft die doppelte Zahl zuließe. Über die Einführung will man nach Ende des Versuchs entscheiden. EU–Kommissarin Viviane Reding appellierte an die Anbieter, für „angemessene Bedingungen“ an Bord zu sorgen, damit die anderen Fluggäste nicht gestört werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben