Welt : Gute-Nacht-Lied für einen Weltbürger

Sir Peter Ustinov wurde am Samstag mit einer schlichten Zeremonie zu Grabe getragen

Pierre Simonitsch[Genf]

Mit berührender Schlichtheit ist einer der Berühmtesten dieser Welt, Sir Peter Ustinov, zu Grabe getragen worden. In der Genfer Kathedrale Saint-Pierre blieben am Samstag viele Plätze frei, als die Glocken zu den Trauerfeierlichkeiten für den Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Humanisten und begnadeten Plauderer läuteten. „Peter Ustinov hat die Bühne des Lebens ebenso diskret verlassen, wie er sie einst betrat“, sagte der protestantische Pastor Henry Babel in seiner Predigt.

Gut 500 Trauernde waren in die Genfer Kathedrale gekommen. Von den Persönlichkeiten, die hintereinander an das Rednerpult traten und Zeugnis von den guten Taten des Verstorbenen ablegten, hatte nur die Leiterin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Carol Bellamy, internationalen Bekanntheitsgrad. Bellamy erinnerte daran, dass Sir Peter 35 Jahre lang als UN-Botschafter des guten Willens die Welt bereiste und so Geld für Unicef sammeln half – und sie erinnerte an die unschlagbare Heiterkeit des Verstorbenen: „Die Welt kann es nur schwer verkraften, eine solche Quelle von Fröhlichkeit zu verlieren.“ In einer Botschaft an die Trauergäste in der Genfer Kathedrale würdigte UN-Generalsekretär Kofi Annan die Großherzigkeit Ustinovs, der „in lebenslangem Engagement etwas für unseren wertvollsten Schatz bewirken wollte – die Kinder der Welt“.

Abschied ohne Flimmer und Glitzer

Vielleicht war es gerade die Abwesenheit von Flimmer und Glitzer, die der Trauerfeier ihre besondere Würde verlieh – neben der Moderatorin Sabine Christiansen und dem Kabarettisten Emil Steinberger hatten sich viele unbekannte Freunde und Verehrer Ustinovs eingefunden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Der Präsident der französischen Akademie der Schönen Künste, Roger Taillibert, rief dem toten Freund nach: „Ich bin stolz, dich gekannt zu haben.“

Pastor Babel erinnerte daran, dass Ustinov als Sohn eines preußischen Diplomaten in die Tradition des Protestantismus hineingeboren wurde und dieser stets treu blieb. Die 800 Jahre alte, dem Apostel Petrus geweihte Kathedrale war einst katholisch, bevor Genf unter dem Reformer Jean Calvin im 16. Jahrhundert zum Rom der Protestanten wurde. Die damalige Sittenstrenge ist längst der Weltoffenheit und Toleranz gewichen, die auch den Abschied vom großen Weltbürger Ustinov prägten.

Sir Peter Ustinov hat sein Privatleben immer sehr vor der Öffentlichkeit geschützt. Jetzt saßen sie alle in der ersten Reihe vor der Kanzel: Sir Peters dritte Ehefrau Lady Ustinov, die mehr als drei Jahrzehnte das Leben mit dem Künstler teilte, sein Sohn Igor, die drei Töchter Tamara, Pavla und Andrea sowie Enkelin Clara. Igor arbeitet als Bildhauer in der Nähe Genfs, seine Schwestern leben in den USA. Ustinov hatte sich schon 1957 am Genfer See niedergelassen. Seit 1971 lebte er mit seiner Frau in dem malerischen Dorf Bursins umgeben von Weinbergen, etwa 30 Kilometer von Genf entfernt im Kanton Waadt. Von seiner Villa hatte er einen Blick auf den See und die Alpen. Nach der Trauerfeier in der Genfer Kathedrale wurde der Sarg mit Ustinov nach Bursins überführt und im engsten Kreise seiner Familienangehörigen auf dem dortigen Dorffriedhof beigesetzt. „Ich glaube an den Ernst des Lachens“ – dieses Lebensmotto des Verstorbenen beseelte auch seine Trauerfeier. Es wurde zwar nicht gelacht, doch gewisse Heiterkeit war durchaus spürbar. Pastor Babel charakterisierte die Persönlichkeit Ustinovs mit den Worten: „Sir Peter war alles Gegensätzliche in einem – er war gleichzeitig Akteur und Schriftsteller, Tragiker und Komödiant.“

Die letzten Ehrungen waren musikalisch umrahmt von Mozart und einer Gavotte von Johann Sebastian Bach. Die spielte der Violinist Ivry Gitlis, selbst Good-Will-Botschafter von Unicef und Freund des Toten, bei einem Spaziergang durch die Kathedrale – mit einem volkstümlichen Gute-Nacht-Lied für den Toten als Zugabe.

Der zweifache Oscar-Preisträger und von der britischen Queen geadelte Sir Peter Ustinov war am vergangenen Sonntag im Alter von 82 Jahren gestorben. Auf die Frage eines Journalisten, welche Inschrift auf seinem Grabstein stehen solle, hatte Ustinov vor einigen Jahren geantwortet: „Es ist verboten, den Rasen zu betreten.“

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