Hai-Angriffe : Alarm auf Hawaii

Das Surferparadies Hawaii hat ein großes Problem: Die Angriffe von Haien häufen sich – und die Angst davor wird immer größer.

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Die Surfer vor den Inseln sind besonders gefährdet. Am meisten Angriffe gibt es in den Monaten Oktober und November.
Die Surfer vor den Inseln sind besonders gefährdet. Am meisten Angriffe gibt es in den Monaten Oktober und November.Foto: Hugh Gentry/Reuters

Nichts hat Tony Lee an diesem sonnigen Samstag auf Hawaii gewarnt. Der 44-Jährige schwamm am vergangenen Wochenende gerade vor Lanikai Beach im Osten der hawaiianischen Hauptinsel Oahu, als er von einem, wie Zeugen ausgesagt haben, etwa drei Meter langen Tigerhai attackiert wurde. Das Tier versuchte, ihn unter Wasser zu ziehen, nur durch Zufall wurde der Schwimmer gerettet. Schwer an beiden Beinen verletzt, brachte ihn ein Rettungswagen ins Krankenhaus.

Er ist inzwischen außer Lebensgefahr, einen Fuß hat er aber verloren. Das andere Bein wollten die Ärzte noch operieren, um es zu retten. Hawaii, ein Mekka für Surfer, hat in diesem Tagen ein gravierendes Problem. Es war schon der zweite Haiangriff innerhalb von zehn Tagen.

Jemand habe „911“ angerufen, die US-amerikanische Notrufnummer, schildern Zeugen in lokalen TV-Sendern. Ein nahebei paddelnder Mann und dessen Sohn konnten Lee aus dem Wasser ziehen und ihn in ihrem Kanu zum Strand bringen. Von ihnen stammen auch die Größenangaben zu dem Tier. Lee sei nicht ansprechbar gewesen, die Beine fast abgetrennt. Nach Angaben der Notfallrettung war Lees Zustand zu diesem Zeitpunkt kritisch.

Abwehr mit Faustschlägen

Der Haiangriff erfolgte nur zehn Tage, nachdem am 5. Oktober ein 25-jähriger Surfer am „Kailua Beach“ ebenfalls von einem Tigerhai dieser Größe angegriffen worden war. Der Mann verlor dabei sein linkes Bein bis zum Knie und mehrere Finger. Er hat den Angriff inzwischen bei einer Pressekonferenz geschildert. Der Hai habe versucht, ihn unter Wasser zu ziehen, mit Faustschlägen habe er versucht, das Tier abzuwehren. Auch hier kam ein Paddelboot zu Hilfe und brachte den verletzten Surfer zum Strand.

Die Attacke von Samstag war die siebte in diesem Jahr. Am Samstag war außerdem ein 33-Jähriger am berühmten Strand von Waikiki in Oahus Hauptstadt Honolulu angegriffen und schwer verletzt ins Krankenhaus transportiert worden. Kayaker hatten ihn an den Strand gebracht. Die Bisswunden stellten sich später aber als Aalbisse heraus. Die Ozean-Sicherheit Honolulus warnte auch vor Barrakudas in der Gegend.

Rund 40 Haiarten schwimmen um die acht hawaiianischen Haupt- und mehr als 100 kleineren Inseln. Die Größen variieren von kleinen Tieren, die keinen halben Meter Länge erreichen, bis zu den großen 15 Meter langen Haien. Vor der Insel Lanai und an anderen beliebten Unterwasserstellen kann man mit harmlosen Riffhaien wie dem Weißspitzen-Riffhai tauchen. An der Südküste Mauis dagegen wird schon immer vor Haien gewarnt.

Gefahr für Surfer

Es gibt viele Zahlen und Vergleiche, die die Urangst der Menschen vor Haien dämpfen könnten: Das Risiko, durch einen Haiangriff zu sterben, ist 2000 -mal geringer, als zu ertrinken. Mückenstiche, die Malaria übertragen, oder Schlangenbisse töten mehr Menschen, Autounfälle und selbst Flugzeugabstürze stehen viel weiter vorne in der Statistik. Weniger als zehn Menschen sterben weltweit jährlich beim Angriff eines Haies, und die Zahl ist über Jahrzehnte relativ konstant geblieben. Die meisten Angriffe gibt es im Pazifik. Stattdessen ist etwa der Weiße Hai selbst gefährdet, auch, weil er immer wieder als Beifang in Fischernetzen landet.

Allerdings zeigen die Zahlen der hawaiianischen „Division of Aquatic Resources“ auch eine klare Zunahme auf Hawaii in diesem Jahrtausend, insbesondere seit dem Jahr 2012 mit zehn und 2013 mit 13 Angriffen. 2014 griff sechsmal ein Hai einen Menschen an. Insbesondere die Monate Oktober und November sind die gefährlichsten, am meisten gefährdet sind Surfer.

Nach den Attacken patrouillierten Rettungsschwimmer mit Jetskis durch die Gewässer und stellten Warnschilder auf. Sie forderten die Menschen im Wasser auf, zum Strand zurückzuschwimmen. Strände an der Westküste wurden gesperrt, Anwohner berichten von deutlich leereren Stränden im Süden.

An diesem Wochenende werden neue Touristen an die Strände kommen, in der Regel bleiben Reisende nur eine Woche auf den Inseln im Pazifik.

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