• Hapag-Lloyd-Kreuzfahrtschiff: Aus Angst vor Piraten: Kapitän der MS Columbus fliegt Passagiere aus

Hapag-Lloyd-Kreuzfahrtschiff : Aus Angst vor Piraten: Kapitän der MS Columbus fliegt Passagiere aus

Drastische Maßnahme zum Schutz der Passagiere: Aus Furcht vor Piratenüberfällen will die Besatzung des Kreufahrtschiffes MS Columbus allein die somalische Küste passieren. Verkehrsminister Tiefensee warnt unterdessen vor "echter Todesgefahr".

MS Columbus
Die MS Columbus: Hier bei der Durchfahrt des Suez Kanals. -Foto: dpa

HamburgDer Kapitän des Hapag-Lloyd-Kreuzfahrtschiffes "MS Columbus" will Informationen des Senders NDR 90,3 zufolge alle Passagiere im Jemen an Land bringen und sie dann per Flugzeug nach Dubai ausfliegen lassen. Dort würden sie ein paar Tage in extra angemieteten Luxushotels verbringen, berichtete der Sender. Der Kapitän will das Schiff dann nur mit einer Stammbesatzung durch das gefährliche Piratengebiet bringen und die Passagiere in Oman wieder an Bord nehmen, damit sie ihre Kreuzfahrt Richtung Singapur fortsetzen können.

Die Reederei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, die zum Tui-Konzern gehört, hat sich nach eigenen Angaben um Geleitschutz für das Piratengebiet bei der Bundesregierung bemüht - war aber mit ihrem Anliegen gescheitert. Vor der Küste Somalia kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Piratenüberfällen auf Schiffe. Die EU beginnt an diesem Dienstag mit einem Einsatz gegen die Piraten am Horn von Afrika.

Die MS Columbus befindet sich auf einer Weltreise. Von Genua geht die Fahrt durch den Suezkanal und weiter über Südostasien und Australien bis nach Südamerika - und wieder zurück nach Europa. Erst vor eineinhalb Wochen war das Schiff in Italien gestartet. Zur Zeit sind 246 Passagiere an Bord.

Tiefensee warnt deutsche Reeder

Deutschland wird bei der Beteiligung an der EU-Mission "Atalanta" zur Bekämpfung von Piraten vor Somalia laut einem Pressebericht weit unterhalb des geplanten Mandats bleiben, das eine Entsendung von bis zu 1400 Soldaten vorsieht. Wie das "Hamburger Abendblatt" aus sicherheitspolitischen Kreisen erfuhr, sollen dauerhaft nur rund 300 Soldaten vor Ort sein. Dabei handelt es sich mit 250 Mann um die Besatzung einer Fregatte, hinzu kommen 50 Mann Begleitpersonal. 1400 Soldaten seien die maximale Obergrenze, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, dem "Hamburger Abendblatt". Dies solle Spielraum für den Einsatz verschaffen. "Das heißt aber nicht, dass das auch die Stärke des Kontingents ist."

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) warnte die deutschen Reeder vor Fahrten in den von Piraten bedrohten Golf von Aden. "Jeder Reeder, jeder Kapitän muss die Sicherheit seiner Passagiere an die erste Stelle setzen, es geht hier nicht um Piraten-Kino, sondern um echte Todesgefahr", sagte Tiefensee der "Bild". Er habe den Reedern sehr deutlich gemacht, dass eine große Bedrohung für Passagiere und Besatzungen bestehe. "Menschen dürfen nicht in Gefahr gebracht werden", erklärte Tiefensee. (jam/dpa/AFP)

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