Heftiger Sonnensturm : Angriff der Sonne

Ein starker Sonnensturm rast in Richtung Erde. Vor allem Satelliten sind in Gefahr – und mit etwas Glück sind Polarlichter zu sehen.

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Extreme Sonneneruptionen. Das Foto des Solar and Heliospheric Observatory zeigt die Unruhe auf der Oberfläche. Foto: Reuters/SOHO/NASA
Extreme Sonneneruptionen. Das Foto des Solar and Heliospheric Observatory zeigt die Unruhe auf der Oberfläche. Foto:...Foto: REUTERS

Die Erde ist am Donnerstag von einem der stärksten Sonnenstürme der vergangenen Jahre getroffen worden. Er sei deutlich stärker als der Sturm, der die Erde Ende Januar erreicht habe, sagte Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau am Donnerstag. Erste schnelle Teilchen seien bereits eingetroffen.

Der Sturm sollten bis in die Nacht andauern. Über dem Norden Europas könnten bunte Polarlichter zu sehen sein. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge stehen die Chancen dafür zumindest nördlich der Mittelgebirge „gar nicht schlecht“.

Ein relativ schwacher Sturm sei bereits am Mittwochabend messbar gewesen, berichtete Paolo Ferri vom Raumflugkontrollzentrum Esoc der europäischen Raumfahrtagentur Esa. „Wir haben jetzt Warnungen vor einem Sturm, der am Donnerstagabend kommen soll.“ Erwartet werde, dass dieser fünfmal stärker ausfalle. Bislang seien keine Schäden an Satelliten bekannt, sensible Geräte seien vorsichtshalber schon am Mittwoch abgeschaltet worden. Schwierig sei derzeit, die Lageregelung der Raumsonde „Venus Express“ zu kontrollieren.

Die Eruption in der Nacht zum Mittwoch habe in der linken Sonnenhälfte gelegen, der Hauptsturm fliege deshalb wohl links an der Erde vorbei, sagte Curdt. „Er wird uns also vermutlich nicht voll treffen.“ Der Sturm im Januar habe die Erde rechts passiert. Das Gebiet auf der Sonne, in dem die aktuelle Eruption erfolgte, sei aber weiter aktiv. Es liege jetzt etwa auf der Sonnenmitte. Am kommenden Wochenende sei deshalb die Wahrscheinlichkeit für gewaltige Sonnenstürme, die die Erde direkt treffen, am höchsten. Dabei schießen geladene Teilchen durchs All.

Sie können unter anderem Satelliten in der Erdumlaufbahn beeinträchtigen. „Es gibt zwei Probleme mit den Satelliten“, sagte Ferri. Manche Satelliten wie das Weltraumteleskop „Integral“ hätten sensible Geräte an Bord, die mit Hochspannung arbeiteten. „Und die reagiert sofort und sehr dramatisch.“ Die Geräte würden deshalb bei einer Sonnensturmwarnung sofort abgeschaltet. „Das haben wir gestern bereits mit ,Integral‘ gemacht.“ Die Vorhersage von Sonnenstürmen, die auf die Erde zurasen, habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert – und die Gefahr für Schäden an Satelliten damit verringert.

Das schlimmste Problem sei ohnehin ein anderes, erläuterte Ferri. Die Lage mancher Satelliten werde über spezielle Sternensensoren gesteuert. „Die Sensoren werden praktisch blind, wenn dieser Sturm geladener Partikel kommt. Im Moment erleben wir das bei der Forschungssonde ,Venus Express‘.“ Sie fliege um die Venus, die Intensität des Sonnensturms sei dort noch stärker. Ausweichend könnten Radiosignale zur Lagesteuerung genutzt werden, das sei aber sehr aufwendig und nicht so präzise.

Die Erde ist vor Sonnenstürmen einigermaßen geschützt durch ihr Magnetfeld. Das lenkt die Teilchen ab, nur in Polnähe können sie tief in die Atmosphäre eindringen, wo sie Polarlichter erzeugen können. Starke Sonnenstürme „verbiegen“ allerdings das Magnetfeld. Durch diese Änderung können in Stromleitungen zusätzliche Spannungen erzeugt werden, die zum Kollaps führen. Auf diese Weise wurde 1973 in Kanada ein Blackout ausgelöst.

Beim aktuellen Sonnensturm sind bislang keine derartigen Schäden bekannt geworden. Gleichwohl dürften solche Ereignisse demnächst häufiger vorkommen. Sie hängen mit der Sonnenaktivität zusammen, die in einem rund elfjährigen Rhythmus variiert und gerade auf ein neues Maximum zusteuert. Der Nasa zufolge wird es Ende 2013 erreicht sein. In dieser Phase werden häufiger große Gaswolken ins All geschleudert. Der aktuelle Sturm ist der zweitstärkste des aktuellen Sonnenzyklus, nach dem Ausbruch vom 9. August 2011. (dpa/nes)

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