Welt : Heiß und kalt

Julica Jungehülsing

Rund ums heiße Sydney brennen die Berge, im Nachbarstaat Victoria sind sie mit Schnee bedeckt. Im Süden von Queensland wüten Hagelstürme, in Tasmanien regnet es, und am Golf von Carpenteria - zwischen Nord-Queensland und den Northern Territories - wird vor einem Zyklon gewarnt. Australiens Wetter spielt verrückt. Gemeinsam ist den Bundesstaaten auf dem fünften Kontinent derzeit nur Eines: Jeder hätte es gerne anders.

"Ein wenig Schnee fällt hier in den Bergen hin und wieder auch im Sommer", sagt Gail Glover, Resortmanagerin des Mount Hotham Resort in Victorias Hochland. Aber eine geschlossene Schneedecke und Hotelgäste, die im Januar mit Wollmützen Schlitten fahren statt im T-Shirt zu wandern, hat auch sie noch nicht erlebt. Grund für den miserablen Sommer, so das Meteorologische Institut, war eine ungewöhnlich große Zahl an Kaltfronten, die den Staat in Australiens Süden zum Jahresende durchzogen. Bis kurz vor Jahresende, als die Temperaturen auf 33 Grad kletterten, war es in Victoria der kühlste Dezember seit Beginn der Statistiken.

Und dennoch: Etwa 300 der 1000 Feuerwehr-Leute aus Victoria, die seit Tagen ihre Kollegen in New South Wales unterstützt haben, reisten zum Wochenende gen Heimat. Nicht um sich abzukühlen, sondern weil die Meteorologen im Süden des Kontinents zum Wochenende mit einem extremen Wetterumschwung rechnen. Dann kann auch in den trockeneren Regionen Victorias erhöhte Waldbrand-Gefahr herrschen.

Im Großraum Sydney, der auch am Freitag unter einer dichten Rauchglocke lag, ist die Situation nach wie vor ernst. Obgleich nachlassende Winde die Löscharbeiten zwischenzeitlich erleichterten, wüten weiterhin annähernd 90 Feuer rund um die Vier-Millionen-Stadt. In Woodford und Hazelbrook, zwei Ortschaften am Great Western Highway in den Blue Mountains, kämpften die Bewohner gemeinsam mit Feuerwehrleuten in ihren Vorgärten gegen die erneut ausbrechenden Flammen.

Auch in der Ferienregion am Sussex Inlet, etwa 180 Kilometer südlich von Sydney, wüten die Brände unvermindert heftig. 2000 Anwohner und Touristen verbrachten eine zweite Nacht in Notunterkünften am Wasser - gemeinsam mit zwölf Pferden und diversen Haustieren, die sie vor Rauch und Feuer in Sicherheit gebracht hatten. Versorgt wurden die Evakuierten teilweise von mitfühlenden Bewohnern der Nachbarorte an der Küste, die mit Motorbooten Verpflegungs-Pakete zum Strand brachten.

Die seit Weihnachten durch die Waldbrände entstandenen Schäden werden bislang auf 70 Millionen Australische Dollar (etwa 123 Millionen Euro) geschätzt und haben damit das Ausmaß der verheerenden Feuer von 1994, als Schäden in Höhe von umgerechnet 98 Millionn Euro entstanden, schon weit übertroffen.

Große Hoffnungen setzen die Verantwortlichen in New South Wales sowie die Bewohner der bedrohten Regionen auf zwei weitere Lösch-Hubschrauber, die aus den Vereinigten Staaten angefordert wurden. Der Abflug der Heli-Tanker in Richtung Australien verzögerte sich allerdings, ebenfalls bedingt durch das Wetter: In Oregon vereitelte ein Schneesturm den Abflug zum geplanten Termin.

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