Welt : Heiße Sache

Was dürfen Männer im Büro tragen, wenn es warm wird? Shorts schon mal nicht. Frauen dürfen mehr

Andreas Oswald

Für kurze Hosen gibt es keine Ausrede, egal, wie heiß es ist. Frauen empfinden den Anblick männlicher Stachelbeine am Arbeitsplatz meist als abstoßend. Aber was dürfen Männer, die bei der Hitze im Büro sitzen?

Weniger als Frauen. Und das ist gut so. Die Deutsche Bank erwartet von ihren Mitarbeitern, „dass sie ihren Kunden gegenüber so auftreten, wie diese es von ihrer Bank erwarten“, sagt ihr Sprecher Michael Lermer.

Die Mitarbeiter in den Firmen haben in der Regel ein genaues Gespür dafür, was angemessen ist. Der Trend geht dabei eher wieder hin zum Konventionellen, hat das Deutsche Modeinstitut in Köln beobachtet. Viele Firmen hatten vor Jahren den „Casual Friday“ eingeführt. „Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung wurde er weitgehend wieder zurückgenommen“, sagt Gerd Müller-Thomkins, Chef des Deutschen Modeinstituts.

Bei der SEB-Bank tragen die Männer auch bei Hitze eine Krawatte. Allerdings zögen sie bei diesen Temperaturen ihr Sakko aus, sagt der Berliner SEB-Sprecher Jens Zimmermann. Ein Kleiderordnung gebe es nicht, ist aber offenbar auch nicht nötig. Die Mitarbeiterinnen seien etwas leichter angezogen, „aber nicht freizügig“.

Bei ebay, dem Internet-Auktionshaus, das weltweit Marktführer ist und in Berlin seine Europa-Dependance mit 550 Mitarbeitern hat, sind nur selten Krawatten zu sehen. Es ist ein junges Unternehmen und ein internationales, einen Dresscode gibt es hier nicht. Derzeit tragen die Männer dort legere Hemden oder T-Shirts, wie die ebay-Sprecherin Daphne Rauch sagt. Anzüge trägt der Geschäftsführer allenfalls, wenn er einen Minister trifft oder einen Geschäftspartner. Auch die Frauen tragen im Sommer leichtere Kleidung, tiefe Ausschnitte oder bauchfreie Tops seien aber nicht zu sehen, sagt Rauch.

Gute Kleidung im Büro ist ein Ausdruck von Wertschätzung für die Kollegen, Mitarbeiter und Kunden. Wo besondere Autorität ausgestrahlt werden soll, ist formelle Kleidung erst recht vorgeschrieben.

So auch bei der Berliner Polizei. Die Kleidung regelt eine Dienstvorschrift. Die Beamten haben eine breite Palette von Kleidungsstücken, die sie so variieren dürfen, wie es die Temperaturen und der Anlass erfordern. Bei Hitze tragen viele ein kurzärmeliges Hemd ohne Krawatte, sagt Polizeisprecher Matthias Prange. Sind Anzug, Hemd und Krawatte, die Insignien von Seriosität und Glaubwürdigkeit, unvereinbar mit hohen Temperaturen? Gerd Müller-Thomkins sagt Nein. Es gebe Anzüge in leichter Sommerwolle, die nur 400 Gramm wiegen und den Körper leicht umspielen. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass Ausziehen Kühlung verschaffe. Das Gegenteil sei der Fall. Kleidung habe eine vor Hitze und Sonne schützende Funktion. „Warum sonst tragen Nomaden dicke Umhänge.“

Was ist für Männer im Büro tabu? Auf jeden Fall Shorts. Und Sandalen, mit und ohne Socken, sagt Müller-Thomkins. Weiße Socken gehen nie. Frauen können in einigen Büros Sandalen tragen. FlipFlops von Jil Sander sind aber nur draußen chic. Prekär sind oft nackte Oberarme. Frauen sollten sich nicht zu weiblich geben, sagt Brigitte Ruhleder, Etikette-Dozentin. Spaghetti-Träger, großer Ausschnitt und Stilettos seien fehl am Platz.

Dürfen Arbeitnehmer frei entscheiden, wie sie gekleidet sind? Der Chef darf Jeans und offene Kragen und Minis untersagen, hat das Landesarbeitsgericht Hamm laut dpa entschieden. Und das Arbeitsgericht Frankfurt gab der Lufthansa Recht, die von einer Mitarbeiterin verlangte, eine Baseballmütze zu tragen. Was für eine Zumutung.

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