Welt : Herzkongress: Eine Spritze für müde Herzen

Mediziner glauben, müde Herzen in einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder regenerieren zu können. Im Tierversuch reichte eine einzige Injektion, um einen schlaffen Herzmuskel mit neuen Zellen aufzufüllen und zu stärken. Das Experiment gelang bei 20 von 22 Versuchstieren. Es wurde jedoch noch nicht bei Menschen erprobt. Ein kanadisches Forscherteam stellte das Ergebnis am Sonntag zum Auftakt des weltgrößten Herzkongresses im amerikanischen New Orleans vor. Dort beraten bis zum Mittwoch mehr als 30 000 Wissenschaftler, Ärzte und Chirurgen.

Gute Nachricht gibt es auch für Patienten mit Bluthochdruck. Ein neues Medikament gegen die so genannte Hypertonie hilft Männern, die für dieses Leiden typischen Probleme im Bett zu überwinden. In einer Studie in Spanien berichteten 88 Prozent der Männer nach Einnahme des Mittels Losartan von einer Verbesserung des Geschlechtsverkehrs. Die Zahl der Teilnehmer, die mit ihrem Sexualleben rundherum zufrieden waren, stieg von 7,3 auf 58,5 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die über Impotenz klagten, von 75,3 auf 11,8 Prozent.

Dabei ist das neue Medikament nach Auskunft des Studienleiters Carlos Ferrario von der Wake Forest Universität in Winston-Salem (US- Staat North Carolina) bei der Kontrolle von Hypertonie ebenso effektiv oder noch wirksamer als andere Medikamente. Losartan blockiert das den Blutdruck hochtreibende Hormon Angiotensin und verhindert seine Bindung an Körpergewebe.

Die Studie, die 323 Männer und Frauen einbezog, räumt nach Worten Ferrarios "endlich auf mit dem Mythos, dass Impotenz durch die Mittel gegen Hypertonie hervorgerufen wird". Vielmehr seien Sexprobleme ein Teil der Krankheit.

Der Kanadier Ray Chiu von der McGill Universität in Montreal erläuterte den Erfolg seiner Zellinjektion bei Ratten damit, dass der Herzmuskel nicht in der Lage ist, selbst neue Zellen zu produzieren und sich damit zu regenerieren. "Wenn Herzzellen sterben, sind sie für immer verloren".

Sein Team injizierte den Tieren stromale Stammzellen aus dem Rückenmark direkt in den Herzmuskel. Stammzellen sind erst seit zwei Jahren besser bekannt, versprechen aber, die Medizin einmal in etlichen Bereichen zu revolutionieren. Es sind undifferenzierte Zellen, die nach Injektion in krankes oder überlastetes Gewebe offenbar durch ein Signal benachbarter Zellen die erhoffte Funktion übernehmen.

Patienten, die bereits einen ersten Herzinfarkt erlitten haben, können ihre Lebenserwartung durch eine Diät mit viel Olivenöl, Obst, Gemüse und Fisch deutlich verlängern. Wer dagegen weiter Butter auf sein Brot schmiere und bei Wurst, Käse sowie Sahnetorte und Plätzchen bleibe, verdreifache sein Risiko, einem zweiten, tödlichen Infarkt zum Opfer zu fallen. Das berichtete Robert Marchiolo, Co-Koordinator der GISSI-Präventionsstudie in Santa Maria Imbaro (Italien) auf dem Herzkongress in New Orleans.

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