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Hinrichtung in den USA : Auch der Papst konnte Kelly Gissendaner nicht retten

Papst Franziskus hatte sich noch für sie eingesetzt - vergeblich: Im US-Bundesstaat Georgia wurde die 47-Jährige Kelly Gissendaner hingerichtet.

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Vergeblich war auch dieser letzte Verweis der Aktivisten auf den Appell des Papstes gegen die Hinrichtung.
Vergeblich war auch dieser letzte Verweis der Aktivisten auf den Appell des Papstes gegen die Hinrichtung.Foto: dpa

Es war 0.28 Uhr in der Nacht zum Mittwoch, als eine Giftspritze dem Leben von Kelly Gissendaner ein Ende setzte. Die 47-Jährige starb im "Diagnostic and Classification"-Gefängnis bei Jackson im US-Bundesstaat Georgia. Sie sang das Lied "Amazing Grace", weinte und betete, berichtete ein Reporter, der die Exekution mitangesehen hatte.

Drei Anträge ihres Anwalts, die Hinrichtung zu stoppen, hatte der US-Gerichtshof in Washington noch am Dienstagabend abgelehnt. Der Begnadigungsausschuss in Georgia kannte ebenfalls keine Gnade für Gissendaner. Und selbst eine Intervention von Papst Franziskus hatte ihren Tod nicht verhindert.

Franziskus schrieb einen Brief an den Begnadigungsausschuss

Vor 17 Jahren, im Jahr 1998, war Gissendaner wegen des Mordes an ihrem Mann zum Tode verurteilt worden. Sie hatte den Mord nicht selbst ausgeführt, ihren damaligen Liebhaber aber zur Tat überredet. Der bekannte sich vor Gericht schuldig, wurde dafür aber nur zu lebenslanger Haft verurteilt. Gissendaner hatte einen Deal mit der Anklage abgelehnt. Sie erhielt die Todesstrafe.

1998 war Kelly Gissendaner wegen des Mordes an ihrem Mann zum Tode verurteilt worden.
1998 war Kelly Gissendaner wegen des Mordes an ihrem Mann zum Tode verurteilt worden.Foto: dpa

Am vergangenen Donnerstag noch hatte der Papst in seiner Rede im US-Kongress die USA aufgefordert, die Todesstrafe endlich abzuschaffen. Am Dienstag schrieb der Erzbischof Carlo Maria Vigano, der Botschafter des Vatikans in den USA, in Franziskus’ Namen einen Brief an den Begnadigungsausschuss: "Ohne den Wunsch, die Schwere der Tat zu minimieren und im Mitgefühl für die Opfer, flehe ich Sie dennoch an, in Anbetracht der Gründe, die dem Ausschuss vorgelegt wurden, das Urteil in eines umwandeln, das sowohl der Gerechtigkeit als auch der Gnade gerecht wird."

Kelly Gissendaner hatte in der Haft einen theologischen Abschluss gemacht

Gissendaner hatte im Gefängnis einen theologischen Abschluss gemacht. Frühere Mithäftlinge berichten, ohne Gissendaners Hilfe hätten sie es nicht aus der Haft geschafft. Doch nicht nur wegen ihrer Wandlung im Gefängnis hatten sich kirchliche und weltliche Gruppen für die Verurteilte eingesetzt.

Ihre Anwälte argumentierten damit, dass Georgia seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA 1976 keinen Verurteilten hinrichten ließ, der nicht selbst einen Mord ausgeführt hatte. Der Antrag von Gissendaners Kindern, die Hinrichtung zu verschieben, damit noch Zeit für einen letzten Besuch bleibe, wurde abgelehnt. Die Hinrichtung war zweimal verschoben worden: einmal wegen eines Wintersturms, das zweite Mal, weil das Gift "unklar" aussah.

Zuletzt hatte der Bundesstaat vor 70 Jahren eine Frau exekutiert

Gissendaners Exekution war die 21. in diesem Jahr in den USA. Nur fünf Frauen haben US-Bundesstaaten in der vergangenen Dekade exekutiert. Georgia hatte zuletzt vor 70 Jahren eine Frau hingerichtet – auf dem elektrischen Stuhl. Am Donnerstag soll Alfredo Prieto im Bundesstaat Virginia hingerichtet werden.

Hinrichtung in Oklahoma in letzter Minute gestoppt

Im US-Bundesstaat Oklahoma wurde am Mittwoch (Ortszeit) die Hinrichtung des 52-jährigen Richard Glossip im letzten Augenblick verschoben worden. Gouverneurin Mary Fallin habe die Exekution fünf Minuten vor dem geplanten Termin gestoppt, meldeten örtliche Medien. Zur Begründung gab die republikanische Politikerin an, die Wirkung und die Rechtmäßigkeit des für die Exekution vorgesehenen Giftcocktails müsse überprüft werden. Neuer Hinrichtungstermin ist der 6. November.

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