Welt : HIV:Billigarznei halbiert Zahl toterKinder

Adelheid Müller-Lissner

London - Eine Medikamenten-Studie mit 541 HIV-infizierten Kindern in Afrika ist wegen ihres sensationell positiven Ergebnisses vorzeitig abgebrochen worden. 19 Monate nach Untersuchungs-Beginn waren 42 Prozent der Kinder zwischen ein und 14 Jahren aus Sambia, die nur ein Scheinmedikament bekommen hatten, nicht mehr am Leben. Demgegenüber ist es ein großer Erfolg, dass nur etwa ein Viertel der Kinder, die das billige Antibiotikum Cotrimoxazol eingenommen hatten, gestorben waren. Die Studie, über die die Londoner Forscherin Diana Gibb und ihre Kollegen vom CHAP-Trial-Team in der heutigen Ausgabe der englischen Mediziner-Zeitschrift „The Lancet“ berichten, wurde daraufhin vorzeitig abgebrochen. Erstens sollen die Ergebnisse so schnell wie möglich der Fachwelt bekannt werden. Außerdem kann man es nicht verantworten, der Kontrollgruppe das echte Medikament vorzuenthalten.

Ein Wundermittel gegen die Viruserkrankung Aids ist damit allerdings längst noch nicht gefunden. Das Antibiotikum Cotrimoxazol wirkt gegen Bakterien, die verschiedene Formen von Lungenentzündungen hervorrufen. Es schirmt die kleinen HIV-Patienten also offensichtlich gegen einige Gefahren ab. Mit zehn US-Dollar jährlichen Behandlungskosten ist es zudem ausgesprochen preisgünstig. Gibb ist überzeugt, dass in Zukunft alle HIV-infizierten Kinder in Afrika eine Aids-Vorbeugung mit Cotrimoxazol erhalten sollten. Die Sensation relativiert sich etwas, wenn man bedenkt, dass die antiretrovirale Therapie, die derzeit in reichen Ländern fast allen HIV-Infizierten zugute kommt, die Todesrate um bis zu 80 Prozent senkt. Wegen ihrer hohen Kosten wird sie in Afrika nicht auf breiter Ebene eingesetzt.

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