Welt : Höhlendrama: Eingeschlossene Schweizer wohlauf

Nach 40 Stunden sind die acht in einer Höhle im französischen Jura eingeschlossenen Schweizer am Freitag entdeckt worden. Taucher fanden alle geschwächt, aber lebend vor. Sie wurden medizinisch und mit Lebensmitteln versorgt. Die Bergung verzögerte sich und sollte am späten Nachmittag beginnen.

Der erste Kontakt zu den seit Mittwoch in der Höhle Bief-du-Paroud bei Gaumois nahe der Schweizer Grenze festsitzenden sieben Studenten der Zürcher Hochschule für soziale Arbeit und ihrer Tourleiterin wurde um 10 Uhr 40 hergestellt. Die drei Frauen und fünf Männer im Alter von 25 bis 35 Jahren hatten sich vor den plötzlich anschwellenden Wassermassen in eine trockene Nische in der Nähe einer Kaverne geflüchtet, zu der die Bergungskräfte von außen einen acht Meter langen Stollen bauten. Drei Taucher, einer von ihnen Arzt und Höhlenforscher, drangen zu der Gruppe vor.

Zum Thema Hintergrund: Wasser macht Höhlen oft zur Falle - dramatische Rettungsaktionen Wegen neu zufließenden Wassers konnte der Höhlenabschnitt, über den die Gruppe befreit werden sollte, zunächst nicht leer gepumpt werden, wie die Behörden berichteten. Die Bergung sei nicht gefährlich, aber zeitraubend, sagte Eric Zipper, technischer Berater des Departements Doubs. "Wir freuen uns! Das ist super!" jubelten zwei Frauen, die seit Donnerstag auf die erlösende Nachricht über die Rettung ihrer Angehörigen warteten. Nach den ersten Informationen seien die jungen Leute in der Höhle "sehr erschöpft", sagte die Hochschulmitarbeiterin Sylvia Wyss. Es werde vermutlich etwa sechs Stunden dauern, bis alle ans Tageslicht zurückgekehrt seien. In der Nacht hatte erstmals Hoffnungslosigkeit um sich gegriffen, als die Vermissten in einer anderen Seitenhöhle nicht aufgespürt worden waren. Die Studentengruppe hatte keine Lebensmittelvorräte. Vor einer Bergung wurden die Eingeschlossenen deshalb zunächst mit Getränken und Nahrung versorgt. Grafik: Die Goumois-Höhle Auch nach fieberhaften Abpumparbeiten stand noch immer ein sechs Meter langer Verbindungsgang zwischen dem Eingang der Höhle und dem Zufluchtsort der Gruppe unter Wasser. "Wir bringen Pumpen dahin, um den Gang trocken zu legen", sagte Zipper. Nach den Planungen der Retter sollten die Eingeschlossenen nicht durch den überfluteten Verbindungsgang geborgen werden. Die Einsatzkräfte bohrten stattdessen einen Schacht zu der Seitenhöhle.

Auch der Schweizer Außenminister Joseph Deiss und sein französischer Kollege Hubert Vedrine, der sich zu einem Arbeitsbesuch in der Schweiz aufhielt, zeigten sich erleichtert und dankten den rund 240 Helfern aus beiden Ländern für ihren Einsatz.

Die sieben Studenten hatten bei Altamira aus Bettingen bei Basel, einem Anbieter von Erlebnispädagogik, eine Tour durch die Höhle Bief-du-Paroud gebucht. Altamira-Chef Valentin Vonder Mühll erklärte, die Menschen hätten mit Tränen und Freudenschreien auf die Nachricht reagiert. Zipper kritisierte, die Gruppe habe nicht über die nötigen Kenntnisse verfügt. "Aber sie haben sicher nicht schlecht reagiert, sonst wären sie nicht mehr am Leben", fügte er an. Bereits zuvor hatten Experten den Einstieg in die 415 Meter lange Horizontalhöhle bei der aktuellen Witterung als fahrlässig bezeichnet. Die Höhle sei für plötzliche Wassereinbrüche bekannt.

Der Vorsitzende des Verbandes der Höhlenforscher, Michael Laumanns, kritisierte die Expedition als leichtsinnig. Die Gruppe sei wegen des schlechten Wetters vor dem Betreten der Höhle gewarnt worden, habe dies jedoch ignoriert, sagte Laumanns am Freitag im ZDF.

Freunde der Expeditionsteilnehmer hatten bei den Behörden noch am Mittwochabend Alarm geschlagen. Die Präfektur von Besançon setzte darauf einen Krisenstab ein. Mehrere Spezialpumpen waren im Einsatz, um Wasser aus der Höhle abzusaugen. Zuletzt hatte in Frankreich ein Höhlendrama im November 1999 die Rettungskräfte in Atem gehalten. Damals waren sieben Höhlenforscher nach zehn Tagen aus der südfranzösischen Vitarelles-Höhle bei Gramat befreit worden.

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