Welt : Hollywood, ich komme

Oscarpreisträger Florian Henckel von Donnersmarck zieht es von Berlin ins Filmmekka

Elisabeth Binder

Ob er vielleicht einfach zu groß ist für Deutschland? Nachdenklich ließ ein eher kleinwüchsiger Mann die Blicke auf der fliederfarbenen Krawatte des 2,05 Meter großen Florian Henckel von Donnersmarck nach oben wandern. Bei einem Abschiedsempfang der American Academy für den Filmemacher, der nach Los Angeles zieht, wurde viel spekuliert über seine wahren Motive. Gerade hat er für sein Erstlingswerk „Das Leben der Anderen“ einen Oscar gewonnen, schon kehrt er Deutschland den Rücken. Warum?

Dabei kam keineswegs nur Schmeichelhaftes zur Sprache. Botschafter a.D. Bernhard von der Planitz, der selber lange in den USA gelebt hat, erfuhr etwas, was ihn sehr verblüffte. Auf der schönen Terrasse über dem Wannsee erzählte ihm eine Schriftstellerin, dass viele im Lande den erst 34jährigen Oscargewinner gar nicht mögen. „Ob das Neid ist?“, fragte er überrascht. „Viele finden ihn unsympathisch, gerade weil er jung und sehr erfolgreich ist. Weil er extrem selbstbewusst ist. Und kein bisschen demütig“, lautete die Antwort. „Was können wir denn tun, um das zu ändern?“, wollte der Botschafter wissen. „Das können Sie nicht ändern. Die Guten werden hier immer gedeckelt. In den USA ist das ganz anders.“ Ein Stück weiter lehnte US-Botschafter William Timken lässig an der Brüstung. Dass Deutsche immer eher das Negative sehen als das Positive, hat er oft genug beobachtet, das wundert ihn nicht mehr. Da er selbst ein höchst erfolgreicher Unternehmer ist, ist für ihn sowieso ein ganz anderer Aspekt dieses Umzugs entscheidend: „Hätte er den Film in den USA gemacht, hätte er viel mehr Geld damit verdienen können.“

Er empfinde Los Angeles als „Hafen für Künstler aus aller Welt, die etwas Besonderes machen wollen“. Er fühle sich in dieser Atmosphäre von Weltoffenheit einfach sehr wohl und fühle sich dort willkommen, sagte Henckel von Donnersmarck in einer kurzen Ansprache.

Viele deutsche Filmemacher haben um ein solches Willkommengefühl vergeblich gekämpft, weil ihre Filme bei den Kritikern besser ankommen als an den Kinokassen. Florian Henckel von Donnersmarck hat mit seinem Film ein Debüt hingelegt, das offenbar auf weitere Publikumserfolge hoffen lässt.

Was aber nicht bedeutet, dass er mit Hollywood-Angeboten prahlt. So demütig ist er eben doch. Ungefähr ein Jahr, werde er sich erstmal nur mit dem Schreiben beschäftigen, sagt er zurückhaltend. „Es ist ja inzwischen bekannt, dass ich immer etwas länger brauche. Ich sehe mich sehr stark auch als Autor.“ Und nein, natürlich verrate er noch nicht, mit welchem Stoff er sich demnächst befasse.

Gary Smith, der Chef der American Academy, ging in seiner Ansprache auf die wechselvolle Geschichte des Hauses ein. In den 20er Jahren, als die Familie Arnhold, die später vor den Nazis fliehen musste, dort lebte, war Deutschland in der weltweiten Filmbranche ganz groß. Nun sei es langsam wieder so, das sei der schöne Aspekt dieses doch auch traurigen Abschieds. Er hoffe jedenfalls auf eine Fortsetzung des guten Kontakts. Die erste Kooperation ist schon in Sichtweite. Wenn im November in New York in der Carnegie Hall ein zwölftägiges Berlin Festival läuft, wird Florian Henckel von Donnersmarck für die American Academy das Thema Film präsentieren.

Am 28. Mai bricht er mit seiner schwangeren Frau Christiane auf, zunächst um bei Freunden in Forida zu wohnen. Dort wird wohl auch sein drittes Kind zur Welt kommen. Ein Haus in Los Angeles ist ebenfalls schon gefunden. Seine Wohnung in der Witzlebenstraße steht zum Verkauf. Allerdings ist es kein Schritt, der alle Seile kappt. Es sei ja heute nicht mehr so, dass man für immer weggehe und sich für einen Ort entscheiden müsse. „Man kann an mehreren Orten leben.“ Einen Teil seiner Kindheit hat er ja sowieso in New York verbracht.

Gary Smith verriet, wer ihn zuerst auf den jungen Filmemacher aufmerksam gemacht habe: Sue Timken, die Frau des US-Botschafters. Sie war restlos begeistert, als sie „Das Leben der Anderen“ mit englischen Untertiteln auf einem nächtlichen Transatlantikflug sah. Bei einem Lunch habe sie ihm von einem „sehr coolen jungen Mann“ erzählt, sagte der Academy-Chef. Da musste Florian Henckel von Donnersmarck lachen: „Das ist wirklich das erste Mal, dass ich höre, dass mich jemand ,cool’ findet.“

Vielleicht ist er ja doch nicht so unsympathisch. Möglicherweise ist ihm Deutschland nach dem berauschenden Erfolg derzeit einfach nur etwas zu klein. Und Demut trainiert man sowieso am besten, wenn man sich auf Erfolgen nicht ausruht, sondern neue Ziele anstrebt.

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