Homo-Ehe : Übungen zur Lockerung

Homosexuelle haben es in Europa bei der Durchsetzung ihrer Rechte meistens in den Ländern schwer, in denen die katholische Kirche großen Einfluss genießt. Eine Ausnahme von dieser Regel bildet Spanien - und demnächst möglicherweise auch Frankreich.

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Die Homo-Ehe spaltet Europa. In Paris gehen diese Demonstranten für die Rechte von Schwulen und Lesben auf die Straße.
Die Homo-Ehe spaltet Europa. In Paris gehen diese Demonstranten für die Rechte von Schwulen und Lesben auf die Straße.Foto: dpa

Manchmal ist es ganz spannend, länderübergreifende Gedankenspiele anzustellen. Was wäre wohl in Deutschland los, wenn die SPD ab Herbst den Regierungschef stellen würde – und dieser würde nach ein paar Monaten ein Gesetz durch den Bundestag bringen, das homosexuellen Paaren die Adoption von Kindern ermöglicht? Nun kann man zwar nicht behaupten, dass die Homosexuellenrechte zu Peer Steinbrücks politischen Prioritäten gehören. Aber vielleicht färbt das, was gerade in Frankreich, dem Ausgangspunkt unseres Gedankenspiels, geschieht, auch auf Deutschland ab. Im Parlament in Paris wird derzeit eine hitzige Debatte über ein Gesetz zur Homo-Ehe geführt. Unter anderem soll es Homo-Paaren erlauben, Kinder zu adoptieren. In Deutschland ist das im Gegensatz zu manchen anderen EU-Ländern nicht möglich.

Nun handelt es sich bei der Adoption von Kindern durch lesbische oder schwule Paare um alles andere als ein Massenphänomen. In Belgien etwa, wo sie seit 2006 gesetzlich erlaubt ist, gab es nach Angaben des dortigen Ablegers der internationalen schwul-lesbischen Bewegung seither keine offiziell registrierten Adoptionen von Kindern aus dem Ausland durch homosexuelle Paare. Der Grund liegt darin, dass sich Länder wie China weigern, zur Adoption freigegebene Kinder schwulen oder lesbischen Paaren anzuvertrauen. Aber auch wenn internationale Adoptionen durch lesbische oder schwule Paare in der Praxis selten sind, geht es bei der Debatte vor allem um den Symbolwert: Homo-Paare sollen die gleichen Rechte haben wie „klassische“ Vater-Mutter-Ehepaare auch.

In Frankreich versprach François Hollande schwulen und lesbischen Paaren während des Wahlkampfs eine Gleichstellung mit Ehepaaren bei Erbschaften und Adoptionen. Nach seiner Wahl zum Präsidenten löst der Sozialist nun sein Versprechen ein. Vor allem die geplanten Änderungen beim Adoptionsrecht rufen aber Protest hervor. Nicht zuletzt die katholische Kirche ist empört.

Wenn man einen Vergleich unter den EU-Ländern und deren Gesetzgebung bei der Gleichstellung von Homosexuellen anstellt, so kommt man zu dem Schluss: Je stärker die Rolle der katholischen oder orthodoxen Kirche, desto geringer die Rechte der Schwulen und Lesben. Im katholisch geprägten Polen hat das Parlament beispielsweise gerade die Einführung eingetragener gleichgeschlechtlicher Partnerschaften abgelehnt. Umgekehrt ist die Gesetzgebung in der Regel überall dort sehr liberal, wo die katholische Kirche einen schweren Stand hat. So können homosexuelle Paare ein sehr weit gehendes Adoptionsrecht unter anderem in den Niederlanden, Schweden, Dänemark und Großbritannien für sich geltend machen. Keine Regel ohne Ausnahme: Auch im katholischen Spanien können Homo-Paare Kinder adoptieren.

In Deutschland sind die Adoptionsmöglichkeiten für Lesben und Schwule hingegen eingeschränkt. Sie können nur dann adoptieren, wenn es sich um das leibliche Kind des Partners handelt. Eine kleine Lockerung ist aber nicht ausgeschlossen, wenn das Bundesverfassungsgericht Mitte Februar ein Urteil zum Adoptionsrecht für Homosexuelle fällt.

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