Welt : Ich gestehe!: Max Stadler, Innenpolitischer Sprecher der FDP

Bea Schnippenkoetter

Die Landtagswahl 1998 brachte das vernichtende Ergebnis von 1,7 Prozent für die FDP in Bayern. Ich war als damaliger Vorsitzender der bayerischen FDP eingeladen, die Wahlergebnisse im Landtagsstudio zu kommentieren, erfuhr aber kurz vorher, dass ich aus Zeitgründen nicht zugelassen sei. Das habe ich natürlich als Unverschämtheit empfunden und mich gegen den Ausschluss mit allerhand Drohungen zur Wehr gesetzt. Schließlich habe ich meinen Willen bekommen und wurde ins Studio gelassen. Als die Wahlergebnisse bekannt gegeben wurden, wäre ich lieber in den Boden versunken, als das niederschmetternde Ergebnis auch noch live zu kommentieren und habe meinen Kraftakt bitter bereut. Zu den Aufgaben eines Parteivorsitzenden gehört es auch, wie man weiß, um Spenden für die eigene Partei zu werben. Einer der Hauptspender war damals eine wichtige Persönlichkeit aus der bayerischen Industrie. Ich traf ihn auf einem Empfang. Er sah zufällig einem Berufskollegen von mir - ich war damals auch Richter - täuschend ähnlich. Ich hielt ihn für den Anderen und verstrickte den Industriellen in ein fachsimpelndes juristisches Gespräch. Erst als ich merkte, dass er mir gar nicht folgen konnte, wurde mir klar, dass er nicht der war, für den ich ihn hielt. Einen Hauptspender nicht zu erkennen, ist mehr als peinlich. Ich habe versucht, das Gespräch wieder auf andere Themen zu lenken und gerade noch die Kurve gekratzt. Ich frage mich manchmal heute noch, ob er mich damals nicht doch durchschaut hat. Wenn ja, war er vornehm genug, es sich nicht anmerken zu lassen.

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