Welt : Im Kampf gegen das Wasser

Südosteuropa schützt sich mit Evakuierungen, Deichsprengungen und kontrollierten Überflutungen

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Bukarest/Belgrad - In zahlreichen Ländern Osteuropas kämpfen die Menschen an der Donau und ihren Nebenflüssen weiter gegen das dramatisch steigende Hochwasser. Besonders schlimm betroffen ist Rumänien. Dort mussten in den vergangenen Tagen rund 1000 Anwohner ihre Häuser verlassen. Die Behörden gaben höchste Alarmstufe. Rund 50 000 Hektar Ackerland und Wiesen sind überflutet – das ist etwa die doppelte Fläche von Frankfurt am Main. Mit 15 900 Kubikmetern pro Sekunde floss so viel Wasser durch die Donau, wie seit 1895 nicht mehr. Das sei das Doppelte des üblichen April-Niveaus, teilte das Umweltministerium in Bukarest mit. Die Scheitelwelle der Donau wird erst in den nächsten Tagen erwartet.

In der Nacht zum Montag gab ein weiterer Deich bei der Ortschaft Calarasi nach. Der Grenzübergang bei der Fähre zum bulgarischen Silistra stand unter Wasser. Bei Calarasi und Fetesti sprengten die Behörden am Montag zwei Schutzdeiche, um kontrolliert rund 500 Millionen Kubikmeter Donauwasser auf Ackerland und Viehweiden abzuleiten. Dadurch sollten Siedlungen flussabwärts geschützt werden.

Kritisch blieb die Situation auch in Bulgarien: In allen Donaugemeinden blieb der Notstand in Kraft. Bei Widin wurde für den Fall einer Massenevakuierung ein Zeltlager für bis zu 4000 Menschen aufgebaut. Die Stromversorgung in einem vor vier Tagen überfluteten Stadtviertel von Nikopol war unterbrochen, teilte der Bürgerschutz mit. Für Mittwoch wird ein weiteres Ansteigen der Donau befürchtet.

In Ungarn herrschte am Montag höchste Alarmstufe am Unterlauf der Theiß, dem größten Nebenfluss der Donau. Seit Tagen bauten Freiwillige und Soldaten in den besonders gefährdeten Städten Szolnok und Szeged provisorische Deiche aus Sandsäcken.

Aus Serbien berichteten die Behörden von gleich bleibenden Wasserständen – allerdings seien die Pegelstände an manchen Stellen sogar 40 Zentimeter höher als im Flutjahr 1981. Trotz Bemühungen von Soldaten, Anwohnern und Feuerwehrleuten wurden niedrigere Teile der Industriestadt Zrenjanin überflutet. In Smederevo überschwemmte das Donauwasser hunderte Häuser und legte den Zugverkehr lahm. In den kommenden Tagen wird eine neue Flutwelle aus Ungarn erwartet. Diese Welle könnte die Dämme ernsthaft bedrohen, hieß es.

In Deutschland hat sich dagegen die Lage in den Hochwassergebieten der Elbe normalisiert. Der Katastrophenalarm wurde aufgehoben, die Elbe wurde wieder für den Schiffsverkehr freigegeben, überall liefen Aufräumarbeiten. Dabei ist der Wasserstand der Elbe viel schneller gesunken, als es Experten erwartet hatten. Wie ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes berichtete, stand das Wasser am Pegel am Montag bei 7,79 Metern. Normal sind es dort fünf Meter, vor einer Woche waren es 9,10 Meter. dpa

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