Welt : Im Kongo sind Hunderttausende weiter auf der Flucht

Die Lavamassen des in Kongo ausgebrochenen Vulkans Nyiragongo treiben hunderttausende Menschen immer weiter in die Flucht. In Gisenyi, ihrem ersten Zufluchtsort, gab es am Samstag schwere Erdstöße. Rund um die ruandische Grenzstadt hielten sich etwa 400 000 Flüchtlinge auf. Nach einer zweiten Nacht im Freien warteten sie verzweifelt auf die Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln. Helfer warnten vor einem Ausbruch von Cholera. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF berichtete sogar von rund 500 000 Obdachlosen.

Ein Großteil der Menschen habe sich aus Furcht vor weiteren Ausbrüchen des Vulkans von Gisenyi weg in Richtung Ruhengeri bewegt, sagte eine Sprecherin des UN-Welternährungsprogramms (WFP). "Wir werden den Straßenabschnitt ab heute im Fünf-Kilometer-Takt versorgen", sagte Laura Melo. Am Freitag startete UNICEF ein Nothilfeprogramm. Mindestens 50 000 Familien aus der Stadt am Kivu-See bräuchten dringend Unterkünfte und Versorgung. Die Bundesregierung hat eine Million Euro für Nothilfe bereitgestellt. Noch ist unklar, wo die schlagartig obdachlos gewordenen Menschenmassen notdürftig untergebracht werden können, denn nach der weitgehenden Zerstörung der ostkongolesischen Stadt Goma bedrohten am Samstag auch zwei Lavaströme Gisenyi. Durch Beben hätten sich zudem mehrere Risse im Boden aufgetan. Mindestens ein Wohnhaus sei zusammengestürzt.

Mehrere Hilfsorganisationen erwägen, die Flüchtlinge in zwei rund 40 Kilometer entfernte Lager nahe der Stadt Ruhengeri zu leiten. Die Lager waren auch nach dem Genozid in Ruanda genutzt worden, als zwei Jahre nach dessen Ende 1996 rund eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland Kongo (Zaire) zurückkehrten.

Am Vormittag verlangsamte sich ein Teil der zunächst in schnellem Tempo fließenden Lava. Die Vereinten Nationen wollen im Laufe des Tages einen Vulkan-Experten per Hubschrauber über den Vulkan Nyiragongo fliegen, sagte UN-Sprecher, Peter Hornsby. Es bestehe die Hoffnung, dass sich der Feuerberg beruhigt habe.

Beim Ausbruch des Vulkans am Donnerstag waren mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Beobachter schätzen, dass die Zahl weit höher liegen könnte. Goma wurde nach Angaben von Mitarbeitern des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) bis zu 80 Prozent zerstört und zweigeteilt. Ein Teil der Flüchtlinge war am Freitag dennoch an die Grenzen der verwüsteten Stadt Goma zurückgekehrt.

"Im Zentrum selbst ist der Fluchtweg noch immer tausenden Menschen durch einen rund 300 Meter breiten Lavastrom abgeschnitten", sagte ein Sprecher der Deutschen Welthungerhilfe, Karl Ginter, in Goma. Am Vormittag begannen die ersten von ihnen damit, bestehende Häuser und Geschäfte zu plündern.

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