Welt : In Trauer um Thatcher entzweit Polizei rechnet mit Protesten bei Begräbnis

London - Kontroversen um das Vermächtnis der Premierministerin beschäftigen weiterhin die in Trauer um Margaret Thatcher entzweiten Briten. Die einen wollen ihr ein Museum bauen und suchen nach einem Platz für eine Statue. Andere kritisierten die Kosten des Beisetzungsgottesdienstes am Mittwoch. Die Feier sei angesichts der Kontroversen um Thatchers Vermächtnis ein Fehler, so der Bischof von Thatchers Geburtsort Grantham, Timothy Ellis. „Dass die Nation das nun mit einer zehn Millionen Pfund teuren Beisetzungsfeier glorifizieren soll, ist provokativ.“ In Umfragen waren 60 Prozent dagegen, dass Steuerzahler für die Kosten aufkommen.

Die BBC spielte in ihrer sonntäglichen Chartshow einige Sekunden lang den Judy-Garland-Song „Ding Dong the Witch is dead“ (Ding Dong, die Hexe ist tot), den Gegner von Thatcher in einer Download-Kampagne auf einen vorderen Chartplatz befördert hatten. Thatcher hätte der Song nicht aus der Fassung gebracht, sie sei an Kontroversen gewöhnt gewesen, meinte Lord Parkinson, einer ihrer engsten Vertrauten in den achtziger Jahren. „Eine der Freuden, Brite zu sein ist, dass wir die Freiheit haben, zu demonstrieren und zu sagen, was wir denken“.

Hunderte von Demonstranten hatten am Samstag auf dem Trafalgar Square Anti-Thatcher-Krawalle von 1990 „nachgespielt“. Bei einem starken Polizeiaufgebot kam es aber nicht zu den befürchteten Krawallen. Proteste werden auch bei dem Trauerzug vom Parlament zur St.-Paul’s-Kathedrale am Mittwoch erwartet. Doch die Polizei betonte, es sei nicht ihre Aufgabe, „Respekt“ für Thatcher durchzusetzen.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes werden Choräle stehen, die Thatcher, deren Vater Laienprediger war, selbst auswählte. Kurz vor ihrem Tod hatte sie in der BBC noch die Choralsendung „Songs of Praise“ angesehen. mth

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