Welt : Ins Unglück geschlingert

Elf Menschen starben in einem deutschen Bus an der belgisch-französischen Grenze

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Hensies . Ein ausgebrannter Reisebus mit elf verkohlten Leichen – es ist ein Bild des Grauens, das sich an diesem Wintermorgen am belgischfranzösischen Grenzübergang Hensies bietet. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr wird ein deutscher Reisebus seinen Insassen zum Verhängnis. Doch diesmal sind nicht nur Deutsche betroffen. Unter den 11 Toten und 37 Verletzten zwischen 20 und 25 Jahren – viele von ihnen Studenten – sind auch Bosnier, Türken, Ukrainer, Russen, Mongolen, ein Kroate und ein Amerikaner. Sie waren mit dem Veranstalter Rainbow-Tours zu einem Wochenendtrip nach Paris unterwegs. Die Identität aller Toten stand bis zum späten Abend nicht fest; klar war nur, dass auch der 48-jährige Fahrer starb.

Auch zur Unglücksursache gab es nur Vermutungen: Möglicherweise war der Fahrer eingeschlafen, möglicherweise kam überhöhte Geschwindigkeit dazu. Einem Lastwagenfahrer zufolge, der dem Unglücksbus in der morgendlichen Dunkelheit folgte, fuhr der Bus Schlangenlinien – so, als kämpfe der Fahrer mit dem Schlaf. Der Bus rammte eine Fahrbahnbegrenzung aus Beton und ging in Flammen auf. Zeugen des Busunglücks berichten von erschütternden Szenen. „Es war wie ein Feuerball“, sagt der Spanier José Otero. Ein lauter Knall weckte den in seiner Kabine schlafenden Sattelschlepper-Fahrer kurz vor halb sechs Uhr morgens. „Ich öffnete das Fenster und sah den Bus in Flammen. Das Ganze dauerte fünf bis zehn Minuten. Leute sprangen aus den Fenstern, sie schrien.“

Dass bei der Tragödie nicht mehr Menschen starben, konnte durch das beherzte Eingreifen des zweiten Busfahrers verhindert werden. Der 29-Jährige konnte die Hintertür des Busses öffnen und rettete so mehreren Reisenden das Leben. Andere entkamen dem Flammeninferno, weil es ihnen gelang, Fensterscheiben einzuschlagen. Beide Fahrer wurden von ihrem oberfränkischen Arbeitgeber als zuverlässig und erfahren bezeichnet. Der Veranstalter wies Spekulationen zurück, der Bus habe technische Mängel gehabt. Nach Angaben des Busunternehmens war das Fahrzeug erst anderthalb Jahre alt.

Die 37 unter Schock stehenden Überlebenden wurden zunächst in Krankenhäuser gebracht. Zwei Frauen erlitten schwere Verbrennungen. Die meisten Leichtverletzten wurden später in eine Schule in Hensies gebracht. Dort wurden sie von Psychologen mit Hilfe von Übersetzern betreut. Mehrere Leichtverletzte konnten bereits am Samstag wieder zurück nach Deutschland gebracht werden.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe, der deutsche Botschafter Peter von Butler sowie der belgische Kronprinz Philippe eilten zum Unglücksort. Stolpe sagte, die Vermutung sei nicht abwegig, dass menschliches Versagen die Unfallursache sei. Dagegen sei aber auch mit den härtesten Paragrafen nichts auszurichten. Trotz der großen Bus- Katastrophen sei der Bus nach wie vor ein relativ sicheres Verkehrsmittel. Anfang Mai waren 34 Deutsche umgekommen, als ihr Bus am Plattensee von einem Zug erfasst wurde. Eine Woche später kamen in der Nähe von Lyon 28 Menschen ums Leben, als ein deutscher Reisebus bei regennasser Fahrbahn in Schleudern geriet und sich überschlug. Tsp

Das Auswärtige Amt hat eine Hotline eingerichtet. Rufnummer: 030/5000 -0.

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