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Internationale Konferenz in Brüssel : Weitere Hilfen im Kampf gegen Ebola

In Brüssel beraten 69 Staaten, wie Ebola in Westafrika besiegt werden kann. Experten warnen aber schon vor neuen Seuchen, die sich weltweit ausbreiten könnten.

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Ein Arzt in Guinea hält ein Baby im Arm, das infiziert sein könnte.
Ein Arzt in Guinea hält ein Baby im Arm, das infiziert sein könnte.Foto: dpa

Während in Brüssel am heutigen Dienstag Vertreter aus 69 Länder beraten, wie die aktuelle Ebola-Epidemie endgültig eingedämmt werden kann, warnen Experten bereits vor dem Ausbruch neuer Seuchen. Die Kinderschutzorganisation „Save the Children“ listet in einem alarmierenden Bericht 30 Staaten auf, die zum Ausgangspunkt ähnlicher Gesundheitskrisen wie jüngst in Westafrika werden könnten. „In diesen Ländern sind die Gesundheitssysteme so schwach, dass sich gefährliche Krankheiten schnell ausbreiten können“, sagte Simon Wright, Mitautor des Berichts, bei der Vorstellung in Berlin. Die Ebola-Fälle in Europa und in den USA hätten gezeigt, dass solche Epidemien eine weltweite Bedrohung darstellten. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Montag haben sich in Westafrika etwa 23.900 Menschen mit Ebola infiziert, davon sind mehr als 9700 gestorben. Auch in einigen europäischen Staaten und in den USA gab es einzelne Fälle. Inzwischen geht die Zahl der Erkrankungen aber zurück.

Noch keine Entwarnung

Die Teilnehmer des Treffens in Brüssel kamen darin überein, die grenzüberschreitende Entsendung von Ärzten, Laboranten und anderen Helfern fortzusetzen, bis die Zahl der Neuinfektionen auf Null gesunken sei. Außerdem wurden umfangreiche Aufbauhilfen für die auch wirtschaftlich schwer angeschlagenen Krisenländer Liberia, Sierra Leone und Guinea beschlossen. Nach Angaben der WHO sind in der Woche vom 15. bis 22. Februar in Sierra Leone, Liberia und Guinea offiziell 99 neue Ebola-Fälle aufgetreten. Ende vergangenen Jahres gab es teilweise mehr als 1000 Neuinfektionen pro Woche. Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ warnte in Brüssel jedoch dringlich vor nachlassenden Bemühungen, weil es sonst Rückfälle geben könne. Gerade in der Region um Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, sei die Zahl der Neuinfektionen weiterhin alarmierend.

Kaum Ärzte

Unterstützt vom Ebola-Beauftragten der Bundesregierung, Walter Lindner, appellierte Simon Wright von "Save the Children" in Berlin an die Weltgemeinschaft, den Aufbau von Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern stärker zu fördern. Beim diesjährigen Gipfel der wichtigsten Industriestaaten in Deutschland sollten dafür die Weichen gestellt werden. In Brüssel sagte Lindner den betroffenen Staaten bereits deutsche Hilfe für den Ausbau von Gesundheitssystemen und für ein besseres Krisenmanagement zu. Allein den drei Ebola-Krisenländern Liberia, Sierra Leone und Guinea hätten in der Vergangenheit mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar für die medizinische Grundversorgung ihrer Bevölkerung gefehlt, heißt es in dem Bericht von „Save the Children“. In Liberia etwa habe es schon vor der Ebola-Epidemie nur einen Arzt für rund 71 000 Patienten gegeben, erklärte Wright. In Deutschland käme ein Arzt auf 63 Patienten. „Da viele Ärzte und Pfleger an Ebola gestorben sind oder aus Angst vor Ansteckung ihre Arbeit aufgegeben haben, ist die Lage in Liberia nun noch schlimmer.“

Mehr Tote durch Malaria

Durch den Ebola-Ausbruch sei die Gesundheitsversorgung völlig zusammengebrochen. In den zurückliegenden Monaten starben laut „Save the Children“ in Westafrika sogar mehr Menschen an Malaria und anderen Krankheiten als an Ebola, besonders Kinder und Schwangere. Auch die Impfquoten gingen demnach deutlich zurück. In Sierre Leone beispielsweise seien im vergangenen Jahr 20 Prozent weniger Kinder gegen Masern geimpft worden als im Jahr davor. „Die Zahl der Masernfälle in den betroffenen Ländern nahm drastisch zu“, heißt es in dem Bericht. Die Länder seien damit weit zurückgeworfen worden, sagte Wright. Anderen Ländern drohten ähnliche Szenarien. „Dabei sterben schon heute weltweit täglich 17.000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten.“

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