Welt : Internet-Adoption: Zwillinge zurück in die USA

Ein über das Internet zweifach zur Adoption freigegebenes Zwillingspaar soll wieder in seine Heimat USA zurückkehren. Die inzwischen neun Monate alten Mädchen Belinda und Kimberley sollten im US-Bundesstaat Missouri von Pflegeeltern versorgt werden, entschied der Oberste Gerichtshof in London am Montag. Die endgültige Entscheidung über ihr Schicksal liege bei der US-Justiz. Das britische Ehepaar Judith und Alan Kilshaw hatte gehofft, das Sorgerecht für die Mädchen wieder zurückzuerhalten, das ihnen im Januar ein Birminghamer Gericht entzogen hatte. Bei der Urteilsverkündung rannte Judith Kilshaw aus dem Saal und schrie: "Es gibt keine Gerechtigkeit." Das Tauziehen um die Babys zwischen den Kilshaws, den Adoptiveltern aus den USA, der leiblichen Mutter und dem Vater dauert seit Monaten an. Derzeit sind die Kinder bei britischen Pflegeeltern.

Vor dem Gerichtssaal sorgte die erregte Judith Kilshaw für Tumult. Ordnungskräfte versuchten, die Frau zu beruhigen, die auf die anwesenden Journalisten einschrie. "Ihr habt alle Unrecht", rief sie. "Die sind alle Lügner und ich hasse sie." Vor Gericht hatten die Kilshaws geltend gemacht, die Adoption sei rechtens gewesen. Ursprünglich hatte die Adoptionsagentur die Mädchen an das US-Ehepaar Vickie und Richard Allen gegeben. Noch bevor die Adoptionspapiere ausgefüllt waren, holte die leibliche Mutter die Kinder jedoch wieder ab und übergab sie den Walisern Kilshaw. Sie waren bereit gewesen, mit umgerechnet rund 25 000 Mark doppelt so viel für die Kinder zu bezahlen wie das US-Ehepaar. Ein US-Richter hatte im März empfohlen, die Zwillinge sollten wieder in die USA zurückkehren.

Auch die leibliche Mutter, Tranda Wecker, will ihre Töchter zurückbekommen. Nach Angaben ihrer Anwältin bedauert die 28-Jährige inzwischen zutiefst, ihre Kinder im Internet zur Adoption angeboten zu haben. Sie habe während der Schwangerschaft Beziehungsprobleme gehabt und unter starkem Druck gestanden.

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