Interview mit einem Ebola-Helfer : „Ich kann mit der Belastung umgehen“

45 deutsche Helfer arbeiten in der deutschen Ebola-Klinik in Monrovia. Tino G. ist einer von ihnen. Im Interview berichtet er, warum er sich für den Einsatz gemeldet hat und wie er diesen konkret erlebt.

Der Krankenpfleger Tino G. ist Reservist und hat sich freiwillig für den Einsatz in Monrovia gemeldet.
Der Krankenpfleger Tino G. ist Reservist und hat sich freiwillig für den Einsatz in Monrovia gemeldet.Foto: Dennis Kraft/Bundeswehr

Warum haben Sie sich freiwillig für den Ebola-Einsatz gemeldet?

Als ich Berichte über die Ebola-Epidemie im Fernsehen gesehen habe, hatte ich das Gefühl, dass es wichtig ist, dort zu helfen. Auch, weil wir in Deutschland ja ebenfalls Probleme bekommen könnten.

War Ihre Familie einverstanden?
Wir haben das ausführlich in der Familie besprochen, der Entscheidungsprozess dauerte fast einen Monat. Ängste sind natürlich da, aber inzwischen haben wir uns alle an die Situation gewöhnt. Eigentlich war es in meinem weiteren Umfeld viel schwieriger. Manche wollten mir schon nach der Vorausbildung in Deutschland aus Angst vor Ebola nicht mehr die Hand geben.

Dem DRK-Behandlungszentrum in Monrovia wurden noch keine Patienten zugewiesen. Was machen Sie also konkret?
Wir bilden einheimische Helfer aus, außerdem kommen immer wieder Menschen zu uns, die sich untersuchen lassen wollen. Wenn sich der Verdacht auf Ebola erhärtet, werden sie aber in eine andere Klinik überwiesen.

Ist es nicht enttäuschend, dass Sie keine Erkrankten behandeln können?
Überhaupt nicht. Die Helfer, die wir ausbilden, bleiben ja und können auch bei möglichen Ebola-Ausbrüchen in der Zukunft auf das Wissen zurückgreifen. Ich habe hier außerdem ein sogenanntes heißes Training absolviert, das heißt, ich habe in einer Einrichtung mitgearbeitet, in der Ebola-Patienten behandelt werden.

Wie muss man sich das Arbeiten in großer Hitze im Schutzanzug vorstellen?
Wir sind darauf zwar sehr gut vorbereitet worden, doch hier in Monrovia ist es doch noch einmal eine andere Situation. Man hält das maximal eine Stunde aus, dann braucht man drei bis vier Stunden Pause.

Ist die psychische Belastung im Umgang mit todkranken Patienten nicht groß?
Es ist eine Belastung, natürlich. Ich kann damit aber umgehen. Dabei hilft mir auch, dass ich jeden Morgen mit Kameraden joggen gehe. Die Menschen grüßen uns immer sehr freundlich. Da kommt viel zurück.

Oberfeldwebel Tino G. (38) ist Pflegedienstleiter in der DRK-Klinik in Monrovia. Er ist Reservist und arbeitet in Deutschland in einem Krankenhaus am Bodensee.

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