ISS : Dritter Weltraumspaziergang der "Discovery"-Astronauten

Die "Discovery"-Astronauten Piers Sellers und Mike Fossum haben bei ihrem dritten und letzten Weltraumspaziergang am Mittwoch eine neue Methode zur Shuttle-Reparatur im All getestet. Dabei kam ein Dichtungsmittel erstmals in der Schwerelosigkeit zum Einsatz.

Houston - Die beiden stiegen um 13.20 MESZ aus der Internationalen Raumstation ISS zum Einsatz im All aus. Ziel ihres Ausflugs war es, die Reaktionen eines bisher nur im Labor getesten Dichtungsmittels für die Kacheln des Shuttle-Hitzeschilds in der Schwerelosigkeit zu überprüfen. Bei ihrem ersten Weltraumspaziergang hatten sie bereits den Ausleger eines Roboterarms ausprobiert, mit dem Reparaturarbeiten an schwer zugänglichen Stellen der Raumfähre ermöglicht werden sollen.

Die beiden Astronauten trugen das Dichtungsmittel auf Musterteile der Shuttle-Hitzekacheln auf, die sie zuvor eigens beschädigt hatten. "Es fühlt sich an wie weicher Fensterkitt oder wie trocknender Matsch", berichtete Sellers aus dem All. Neben dem Test für die Dichtungsmasse machte Sellers mit einer Infrarotkamera Aufnahmen von den Flügeln der "Discovery".

Ein Erfolg der Tests werde den "Werkzeugkasten" erweitern, mit dem die Astronauten künftig Schäden am Shuttle direkt im All reparieren könnten, sagte Flugdirektor Tony Ceccacci in Houston. Er denke nicht, dass die Astronauten damit für alles eine genaue Reparaturmethode hätten. "Aber es gibt uns eine Idee, nach dem Motto, 'wenigstens habe ich etwas in meinem Werkzeugkasten, das ich benutzen kann'", sagte Ceccacci.

Neben Reparaturmöglichkeiten für die Astronauten während des Fluges hatte die Nasa in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, Schäden am Shuttle schon beim Abheben zu vermeiden. Seit der Columbia-Katastrophe im Februar 2003 mit sieben toten Astronauten stand dabei die Isolation des großen orangefarbenen Außentanks der Space Shuttles im Zentrum der Aufmerksamkeit. Beim Start war damals ein Stück Isolierschaum abgebrochen und hatte ein Loch in den Hitzeschild der Columbia geschlagen, die deswegen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht war.

Auch bei der ersten Shuttlemission nach dem Unglück war erneut ein großer Teil des Isolierschaums abgebrochen. Deswegen war der Termin der aktuellen Mission umstritten und wäre beinahe um ein halbes Jahr verschoben worden, um weitere Änderungen am Isolierschaum vorzunehmen. Nasa-Administrator Michael Griffin hatte schließlich doch sein Okay für den Start am 4. Juli gegeben, bei dem die "Discovery" nur noch kleinere Stücke des Isolierschaums verlor. Nach der Untersuchung von hunderten von Bildern des Hitzeschilds der "Discovery" erklärte die Nasa den Shuttle am Montag als "frei von Schäden", die die Rückkehr zur Erde am kommenden Montag gefährden könnten. Kurz vor dem Ende der Mission soll eine bisher nicht übliche letzte Inspektion sicherstellen, dass die "Discovery" auch nicht von Mikrometeoriten beschädigt wurde. Die sechs US-Astronauten zeigten sich zuversichtlich, dass sie sicher nach Hause kommen werden.

Die US-Raumfahrtbehörde hofft, nach den zwei Testmissionen bald den regulären Shuttle-Flugbetrieb wieder aufnehmen zu können. Bis 2010 sind 16 Starts vorgesehen, um die bisher erst zur Hälfte gebaute ISS fertigzustellen, an der die "Discovery" seit einer Woche angedockt ist. Die "Discovery" soll mit sechs Astronauten am Montag zur Erde zurückkehren. Der siebte Astronaut der Raumfähre, der Deutsche Thomas Reiter, soll hingegen sechs bis sieben Monate an Bord der ISS in der Erdumlaufbahn bleiben. Er wird dort zahlreiche Experimente vornehmen. (tso/AFP)

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