Welt : Jede Woche sterben drei Kinder

Statistik über Gewalt und Vernachlässigung

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Köln - Jede Woche sterben in Deutschland statistisch gesehen mindestens drei Kinder an den Folgen von Gewalt oder Vernachlässigung. Die jüngste Kriminalstatistik für 2005 weise 178 Fälle auf, in denen Kinder Opfer von Mord, Totschlag oder fahrlässiger Tötung infolge von Vernachlässigung wurden, berichteten die Deutsche Kinderhilfe Direkt und der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) am Freitag in Köln. Unicef schätze, dass 2006 rund 100 Jungen und Mädchen Opfer tödlicher Gewalt wurden. Der BDK-Vorsitzende Klaus Jansen sagte, die Dunkelziffer sei sehr hoch und könne nicht in Schätzzahlen angeben werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Kinderhilfe (Berlin), Georg Ehrmann, sagte, dramatische Fälle wie der getötete Kevin aus Bremen (2), die verhungerte Jessica (7) aus Hamburg oder das jetzt in Sömmerda in Thüringen verdurstet aufgefundene Baby machten erschreckend deutlich, dass die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland nicht funktioniere. Ehrmann kritisierte, die Probleme der Familien, in denen Gewalt gegen Kinder an der Tagesordnung seien, könnten mit dem derzeitigen Jugendhilfesystem nicht gelöst werden. Dringend nötig sei eine Stärkung der Jugendämter, wo oft ein Sachbearbeiter 150 Fälle betreuen müsse. Die Jugendämter hätten zwar weitreichende Befugnisse und könnten Mädchen und Jungen bei Gefahr auch ohne Richterbeschluss aus ihren Familien holen, aber: „Die Leute sind doch personell gar nicht in der Lage rauszukommen, die sitzen doch nur am Schreibtisch.“ Es sei wichtig, die aufsuchende Jugendhilfe wieder auszubauen, das erfordere aber deutlich mehr Personal.

Bund, Länder und Kommunen müssten zum Wohl der Kinder stärker an einem Strang ziehen. Mit Blick auf das von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen geplante Frühwarnsystem und dazu geplante Modellprojekte kritisierte die Kinderhilfe: „Wir brauchen keine Modellversuche.“ Angesichts von immer mehr überforderten Eltern und drei Millionen Kindern, die bundesweit in Haushalten mit mindestens einem suchtkranken Elternteil aufwachsen, seien konkrete Hilfe und Begleitung der Familien notwendig. dpa

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