Welt : Jetzt beginnt die Bergung

Mit dem Beginn der eigentlichen Bergungsarbeiten an diesem Montag wird das ganze Ausmaß der Tragödie im Schweizer Gotthard-Tunnel deutlich werden. Nachdem rund 300 Einsatzkräfte über 200 Meter die verrußte und durch das Inferno absturzgefährdete Deckenkonstruktion am Samstag abgestützt und gesichert hatten, sollen nun die letzten Fahrzeuge identifiziert und nach weiteren Opfern gesucht werden. In einem Gottesdienst gedachten die Menschen in Airolo am Sonntag der bislang entdeckten elf Toten. Experten rechneten am Wochenende nicht damit, noch viele Opfer im Tunnel zu finden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung.

Da der Gotthard-Tunnel noch monatelang geschlossen bleiben wird, wurde europaweit über Ausweichmöglichkeiten für den Schwerverkehr von Nord nach Süd gesucht. Der ebenfalls wegen eines Unfalls gesperrte Montblanc-Tunnel zwischen Frankreich und Italien soll nun schon am 15. Dezember wieder für Personenwagen freigegeben werden, allerdings nur als Einbahnstrecke. In welche Richtung, steht noch nicht fest.

Während der Verkehr in der Schweiz am Wochenende verhältnismäßig ruhig lief, gab es am Brennerpass in Österreich zehn Kilometer lange Staus vor allem von Lastwagen, die in Richtung Norden wollten. Die Bahnen haben ihre Transportkapazitäten sowohl für den Personen- als auch für den Lkw-Verkehr stark ausgeweitet und sind bereit, von Montag an den erwarteten neuen starken Andrang mit zusätzlichen Zügen aufzufangen.

Die völlig erschöpften Einsatzkräfte am Gotthard-Tunnel hatten am Sonntag eine Pause eingelegt. Einige nahmen zusammen mit etwa 400 anderen Menschen in Airolo an einem Gedenkgottesdienst für die Opfer des Unglücks teil. Angesichts des Schmerzes gebe es nur eine Antwort: Solidarität und Gemeinschaft, sagte der Bischof von Lugano, Giuseppe Torti. Er betete für die Opfer und deren Angehörige und dankte den Feuerwehrleuten und anderen Helfern. Die Tragödien der letzten Wochen - auch in den USA - hätten Angst und Verunsicherung ausgelöst. Diese Ereignisse hätten aber auch die Schwäche des Menschen zum Ausdruck gebracht, trotz des technischen Fortschritts.

In den schweren Unfall vom vergangenen Mittwoch waren weniger Autos verwickelt als zunächst befürchtet. Statt der zunächst geschätzten bis zu 100 Fahrzeuge sind nur noch 23 in der ausgeglühten etwa 250 Meter langen Unfallzone in dem 16,3 Kilometer langen Alpentunnel. Zwölf Fahrzeuge befinden sich unmittelbar um die zusammengeprallten Lastwagen. Doch deren Insassen konnten sich nach Augenzeugenberichten vermutlich retten. In einem der Unglücks-Lkw wird jedoch der Fahrer vermutet, dessen Lkw das Drama ausgelöst hat.

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