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Jungbrunnen Wiedervereinigung : Ostdeutsche leben länger - dank der deutschen Einheit

09.07.2013 14:39 Uhrvon

Gäbe es heute noch die DDR, würden die Ostdeutschen nicht so lange leben. Eine Studie der Uni Rostock hat berechnet, welche positiven Folgen die deutsche Einheit auf die Lebenserwartung im Osten hatte.

Die deutsche Einheit hat den ostdeutschen Männern im Durchschnitt ein um 5,7 und den ostdeutschen Frauen ein um 4 Jahre längeres Leben beschert – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Rostock. Mit ihr wurde erstmals modelliert, wie sich die Lebenserwartung im Ost-West-Vergleich entwickelt hätte, wenn man die entsprechenden Sterberaten der verschiedenen Altersgruppen aus den 70er und 80er Jahren fortgeschrieben hätte.

Unter dem Strich lag die durchschnittliche Lebenserwartung ostdeutscher Frauen im Jahr 2008 genau 6,3 Jahre höher als 1990, und zwar bei 82,4 Jahren. Bei Ost-Männern lag sie 2008 sogar 7,4 Jahre höher (76,5 Jahre) als im Jahr der deutschen Einheit.

Zwar wäre auch in einer fortbestehenden DDR zwischen 1990 und 2009 die Lebenserwartung der Männer im Osten um knapp 10 Monate und die der Frauen um 2,2 Jahre gestiegen – aber eben deutlich geringfügiger, stellt Autor Tobias Vogt fest.

Vor allem die über 60-Jährigen profitierten von dem Anstieg der Lebenserwartung, heißt es in der Studie. Auf sie entfielen 80 Prozent der zusätzlich gewonnenen Lebenszeit. Vogt führt das darauf zurück, dass sich bis in die 70er Jahre hinein der Anstieg der Lebenserwartung in Ost und West nahezu gleichermaßen entwickelte, denn hier wie dort war man bei der Bekämpfung der Infektionskrankheiten gut vorangekommen. Erst danach habe es einen gebremsten Anstieg im Osten und einen weiterhin rapiden Anstieg im Westen gegeben, vor allem weil in der Bundesrepublik die Herz-Kreislauf-Krankheiten besser behandelt worden seien und die Vorsorge besser entwickelt war. In der DDR hingegen sei die Sozialpolitik kaum auf ältere Menschen ausgerichtet gewesen, im Vordergrund der medizinischen und sozialpolitischen Bemühungen habe die Erhaltung und Reproduktion der Arbeitskraft gestanden. Ohnehin habe das Niveau der medizinischen Versorgung in der DDR dem in der Bundesrepublik etwa 15 bis 20 Jahre hinterhergehinkt. Deshalb sei die Sterblichkeit im höheren Alter in der DDR nicht zurückgegangen.

Nach der Wende hat sich die Situation laut der Studie „erstaunlich schnell“ geändert. Die Sterblichkeit der über 65-jährigen Ostdeutschen sei bereits nach sechs Jahren auf das Niveau der Westdeutschen gefallen. Die älteren Menschen hätten darüber hinaus von steigenden Renten und höherer Kaufkraft profitiert. Dagegen sei die jüngere Generation vor allem von hoher Arbeitslosigkeit betroffen gewesen, was sich negativ auf die Lebenserwartung ausgewirkt habe. So hätten sich etwa bei ostdeutschen jungen Männern die Sterberaten bis weit in die 90er Jahre hinein negativer entwickelt, als es beim Fortbestehen der DDR der Fall gewesen wäre. Seit 2009 stehe aber auch diese Altersgruppe besser da.

In einer weiteren Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Entwicklung wird festgestellt, dass mittlerweile Frauen aus Ostdeutschland in der Altersgruppe zwischen 50 und 64 Jahren länger leben als gleichaltrige Frauen im Westen. Damit ist erstmals in einer Altersgruppe die Lebenserwartung im Osten Deutschlands höher als im Westen. Bislang ging man immer davon aus, dass vor allem die – noch immer – bessere gesundheitliche Betreuung und Vorsorge im Westen Deutschlands die Ursache für höhere Lebenserwartung in diesem Teil Deutschlands war. Die nun von den Wissenschaftlern Rembrandt Scholz und Mikko Myrskylä festgestellte Umkehrung in dieser Altersgruppe führen die beiden Autoren auf das Rauchen zurück: Unter Ost-Frauen dieser Generation war der Griff zur Zigarette deutlich seltener. Während beispielsweise fast 44 Prozent der westdeutschen Frauen der Jahrgänge 1946 bis 1950 rauchten, seien es im Osten nur knapp 30 Prozent gewesen, heißt es in der Studie. Bisher wurde der Nikotinkonsum bei der Betrachtung der unterschiedlichen Sterberaten im Ost-West-Vergleich nicht berücksichtigt.
In einigen Jahren könnte sich dieser Trend aber wieder ändern: wenn Frauen, die in den 60er oder 70er Jahren geboren wurden, ein Alter erreichen, in dem sich der Nikotinkonsum auf die Sterberaten auswirkt. Denn derzeit rauchen mehr ostdeutsche als westdeutsche Frauen.

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