"Kaiser"-Hochzeit : Franz Beckenbauer hat geheiratet

Franz Beckenbauer hat seinem Ruf als Schlitzohr wieder einmal alle Ehre gemacht. Während ganz Deutschland dem WM-Spiel gegen Schweden entgegenfieberte, gab der "Kaiser" im kleinen Kreis seiner Lebensgefährtin Heidi Burmester das Ja-Wort.

Oberndorf/München - Die Trauung fand nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung am Freitag in Oberndorf bei Kitzbühel statt, wo Beckenbauer lebt. "Während der WM hat niemand mit unserer Hochzeit gerechnet", sagte Beckenbauer dem Blatt. Noch im Januar hatte er in der Zeitschrift "Die Aktuelle" beteuert: "Ich kann diesem Land neben dieser wichtigen Weltmeisterschaft nicht noch meine Hochzeit zumuten."

Der 60-jährige Bräutigam erschien im dunklen Anzug mit rosa Rose im Knopfloch im Standesamt der kleinen österreichischen Gemeinde. Die 39-jährige Braut trug ein weißes, seidenes Etuikleid und dazu einen Hochzeitsstrauß aus roten, rosafarbenen und weißen Rosen. Lediglich die beiden Trauzeugen - Unternehmergattin Petra Zamek und Franz Beckenbauers Bruder Walter - sowie die gemeinsamen Kinder des Brautpaares, Joel (5) und Francesca (2), und zwei Offizielle der Gemeinde nahmen an der Zeremonie teil. "Wir wollten wirklich nur für uns sein, wollten jeden Rummel vermeiden", sagte Beckenbauer der Zeitung.

Es ist die dritte Ehe des Präsidenten des deutschen WM-Organisationskomitees. Im November 2004 hatte er sich nach 14 Jahren von seiner zweiten Frau Sybille scheiden lassen. Da hatte Beckenbauer mit Burmester, der früheren Sekretärin beim FC Bayern München, bereits zwei Kinder. Der Bub wurde im August 2000 geboren, 2003 kam dann noch Francesca hinterher.

Zum ersten Mal Vater wurde der gelernte Versicherungskaufmann Beckenbauer bereits im Alter von 18 Jahren. Seinen Sohn Thomas brachte er 1966 mit in die Ehe mit seiner ersten Frau Brigitte. Mit ihr bekam er zwei weitere Söhne, Michael und Stephan. 1990 wurde die Ehe geschieden. Kurz darauf folgte die Hochzeit mit Sybille Weimer. Sie hatte als DFB-Angestellte seine Reisen als Teamchef organisiert. Die Ehe der beiden blieb kinderlos.

"Ein ganz besonderer Bayer"

Trotz seines schlagzeilenträchtigen Privatlebens blieb Beckenbauer in der Öffentlichkeit beliebt und auch als Werbeträger gefragt. Denn das ist das eigentliche Phänomen Franz Beckenbauer: Man kann ihm einfach nicht böse sein. "Franz Beckenbauer ist der einzige, der für die PDS in Bayern ein Direktmandat holen würde", brachte es Kabarettist Ottfried Fischer einmal auf den Punkt. Und auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) lobte Beckenbauer überschwänglich. Er sei wohl der bekannteste Deutsche in der Welt, ein "Aushängeschild" für seine Heimat. "Er ist natürlich ein ganz besonderer Bayer", betonte Stoiber im vergangenen September anlässlich des 60. Geburtstages von Beckenbauer.

Die Grundlage für diese Anerkennung und Wertschätzung schuf Beckenbauer auf dem Fußballplatz. In 424 Bundesliga-, 103 Länder- und 78 Europapokalspielen holte er als Libero alle Titel, die man nur gewinnen kann. Höhepunkt war 1974 der Gewinn der Weltmeisterschaft. Ein Erfolg, den er 1990 als Teamchef der Nationalmannschaft wiederholte. Im Juli 2000 etablierte sich der "Kaiser" dann endgültig als Lichtgestalt des deutschen Fußballs: Er holte die WM 2006 nach Deutschland.

Ein wandelnder Fußball

Allerdings hat Beckenbauer im Zuge der WM-Vorbereitungen nur wenig Zeit für seine Familie gehabt. Rein rechnerisch flog er in dieser Zeit achtmal um den Erdball. "Ich habe das Gefühl, ich bin ein wandelnder Fußball. Ich habe mich in den letzten neun Jahren für kaum etwas anderes interessiert. Ich muss ja schon ausschauen wie ein Fußball", sagte er in der ARD-Talksendung "Beckmann". Nach dem Ende des Turniers will er andere Prioritäten setzen. Seine ersten Kinder hätten nie viel von ihrem Vater gehabt. "Jetzt habe ich noch einmal zwei Kinder geschenkt bekommen. Wenn ich die auch noch vernachlässige, dann habe ich wirklich alles verkehrt gemacht", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Ganz zurückziehen wird sich der Fußball-Fanatiker aber wohl nicht. Er bekundete bereits offen sein Interesse an der Präsidentschaft des europäischen Fußballverbands Uefa - es wäre seine vierte Karriere. Doch nun gilt es erst einmal, die restliche WM so erfolgreich und harmonisch wie bisher über die Bühne zu bringen. Für Flitterwochen ist erst danach Zeit. Doch Heidi Beckenbauer weiß ja, wen sie da geheiratet hat und genießt den Augenblick: "Wir sind einfach nur glücklich." (Von Ulrich Meyer, ddp)

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