• Kampfhund-Debatte: Psychologen: Tier ergänzt fehlenden Teil der Persönlichkeit

Welt : Kampfhund-Debatte: Psychologen: Tier ergänzt fehlenden Teil der Persönlichkeit

Wer sich einen "scharfen" Hund hält, verrät viel über sein "Ich". Kampfhundehalter benötigen das Tier zum Errichten einer Fassade für die Umwelt, erläutert der Psychologe Erhard Olbrich von der Universität Erlangen/Nürnberg. Von einer "symbolischen Selbstergänzung" spricht Olbrich. Mit einem Hund werde der fehlende Teil der Persönlichkeit erkauft. Etwa bei einem Mann, der gefährlich wirken wolle, ohne es zu sein. Der Mensch leihe sich sozusagen die Macht von dem Hund. Mit ihm an der Seite wolle er Gewalt, Gefährlichkeit und Unbesiegbarkeit signalisieren. Das gelte gerade dann, wenn der Besitzer ein "kleines Männchen" ist.

Die Halter von Kampfhunden nutzen ihre Tiere nach Angaben des Therapeuten Peter Groß vom Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) oft als "Verlängerung" ihrer eigenen unsicheren Persönlichkeit. "Viele Hundehalter wollen selbst so kraftvoll, ausdauernd und bissig sein wie ihre Tiere", sagte Groß am Dienstag in Köln. Dabei sei es wahrscheinlich gar nicht die Absicht der Besitzer, die scharfen Hunde wirklich gegen andere Menschen einzusetzen. "Die Halter fühlen sich nicht ausreichend respektiert. Ähnlich wie beim Zeigen einer Waffe geht es in erster Linie darum, Respekt zu erlangen", meinte Groß.

Die Hundehalter seien häufig von einem ähnlichen Schlag wie Bodybuilder oder Anhänger bestimmter Kampfsportarten. "Sie versuchen sich mit einem gestählten Körper oder mit einem Kampfhund als verlängerten Arm gegen vermeintliche Gefahren zu schützen", erklärte der Psychologe. Dies zeige auch der Angriff auf einen 73-jährigen Rentner in Köln. Zwischen den beiden Männern war es vorher zum Streit gekommen. "Dann hat der Hund das gemacht, was er sollte: Er hat sein unsicheres Herrchen geschützt", sagte Groß.

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