Welt : Kampfhundangriff: Ganz Deutschland ist schockiert

Karsten Plog

Fassungslos stehen Anwohner vor der Schule im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. "Wie kann so etwas nur passieren", fragt ein älterer Anwohner. Doch das kann ihm auch der Polizist nicht sagen, an den diese Frage gerichtet ist. Die Stimmung unter den Umstehenden ist explosiv: "In Wilhelmsburg gibt es mehr als 50 Kampfhunde. Nach solch einem Vorfall müssen die alle erschossen werden", sagt ein 80-Jähriger. "Wenn ein Kind tot ist, ist es schon zu spät", sagt eine 74-Jährige. "Ein wild gewordener Kampfhund ist nicht mehr zu stoppen. So viel Kraft hat niemand", sagt ein Junge.

Ganz Deutschland ist schockiert über den tödlichen Angriff von Kampfhunden auf einen kleinen Jungen. Gegen 11.45 Uhr am Montag spielte eine Klasse der Hamburger Schule Buddestraße arglos auf einer Wiese vor der Turnhalle Fußball. Gleich sollte der Sportunterricht anfangen. Doch dann kam das Grauen: Ein Pitbullterrier und ein Staffordshire-Terrier rannten auf die Kinder zu. Noch ehe die Kinder sich retten konnten, hatte der Pitbull schon einen sechs Jahre alten Jungen am Hals gepackt, erzählt ein Zeuge. Der Hund biss so stark zu, dass das Kind wenig später starb. Jetzt herrscht Aufregung im Stadtteil Wilhelmsburg, in dessen Herzen die Schule Buddestraße liegt. Die Bürger wollen, dass die Kampfhunde von den Straßen verschwinden.

Die Häuser an der Schule sind heruntergekommen, im Erdgeschoss fehlt das Fensterglas. Die meisten deutschen Familien haben das Viertel längst verlassen und Platz gemacht für Nachrücker aus der Türkei, Kurdistan oder Albanien.

Mehrere Kinder erlitten bei dem Vorfall einen Schock und mussten in der Schule betreut werden. Die Morkommission nahm die Ermittlungen auf und hat am Nachmittag zwei Personen festgenommen.

Mitschüler berichteten, der Junge habe noch um Hilfe gerufen und sei blutüberströmt gewesen. Die wenig später alarmierte Polzei erschoss den Pitbull. Der andere Hund wurde zunächst nur angeschossen, konnte aber wenig später aufgespürt und ebenfalls getötet werden. Das von dem Pitbull anfgefallene Kind konnte nicht mehr gerettet werden. Ärzte und Sanitäter deckten den Jungen mit Kleidungsstücken zu. Wenig später hatte sich die furchtbare Nachricht in dem südlich der Elbe gelegenen Stadtteil verbreitet und viele Wilhelmsburger eilten zu der Schule, darunter Eltern und Geschwister der Kinder, die hier zur Schule gehen. Einige Menschen weinten, andere lagen sich still in den Armen. Viele äußerten aber auch ihre Empörung darüber, dass diese Hunde immer noch frei in der Stadt herumlaufen können und beschuldigten Senat und Bürgerschaft der Stadt, zu lange untätig gewesen zu sein.

Der Pitbull und der Staffordshire Terrier, die auf dem Schulgelände eine Gruppe Kinder angegriffen haben, liegen erschossen auf einer Wiese. Wie die Hunde überhaupt auf das Schulgelände kommen und dann die Kinder angreifen konnten, war am Montagnachmittag noch unklar. Ein türkischer Schüler berichtet, die beiden Hundehalter seien auf dem Gelände gewesen. Einer habe noch versucht, seinen Hund von dem Sechsjährigen abzuhalten und habe sich auf ihn gestürzt. Dabei sei er verletzt worden. Die Polizei bestätigt das nicht. Ein anderer Junge erzählt, es sei bekannt, dass Hundebesitzer ihre Kampfhunde außerhalb der Schulzeit auf dem Schulgelände aufeinander hetzen. "Die wetten, welcher Hund gewinnt", sagt der Schüler.

Eltern haben ihre Kinder abgeholt, nachdem sie von der Schreckensnachricht gehört haben. Kinder, die nicht abgeholt werden, werden von Lehrern nach Hause gebracht.

Hamburg hatte im Frühjahr eine neue Hunderverordnung erlassen, die demnächst nach den von der Innenministerkonferenz Anfang Mai abgegebenen Empfehlungen verschärft werden soll. Die Innenminister waren übereingekommen, verschärft gegen die entsprechenden Vierbeiner zu Felde zu ziehen und sie hatten zu diesem Zweck einen Katalog von Maßnahmen erarbeitet. Dazu zählen unter anderem Zuchtverbote, Kastrations- und Sterilisations-Möglichkeiten und bessere Kontrolle des Hundehandels empfohlen. Es bleibt allerdings den einzelnen Ländern weitgehend überlassen, welche Empfehlungen sie umsetzen wollen.

Unterdessen nahmen Tierschützer die Kampfhunde in Schutz. So übte der Leiter des größten Hamburger Tierheimes, Wolfgang Poggendorf, gestern heftige Kritik an der Hamburger Hundeverordnung. Nicht die Hunde seien das Problem, sondern die Hundehalter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar