Kanada : Ureinwohner wollen eine Entschuldigung vom Papst

Kanadas Ureinwohner hoffen auf eine offizielle Entschuldigung von Papst Benedikt XVI. für die Misshandlungen, die sie durch katholische Geistliche erlitten haben. In staatlich unterstützen Internaten wurden sie als Kinder über Jahrzehnte hinweg physisch, psychisch und sexuell gequält.

Ottawa Eine Delegation des Dachverbandes der Assembly of First Nations ist für diesen Mittwoch zur Audienz beim Oberhaupt der katholischen Kirche in Rom eingeladen. Die Gruppe wird von ihrem Chef Phil Fontaine geleitet, der als Sechsjähriger selbst zur Umerziehung in eines der Internate gesteckt worden war.

Die Regierung Kanadas hatte die Kinder der Ureinwohner ein Jahrhundert lang, bis in die 80er Jahre, aus deren Familien und Reservaten gerissen und in Internaten gesteckt. Dort durften die jungen Indianer, vor allem Inuits (Eskimos) und Cree, weder ihre Muttersprache sprechen noch den Riten und Traditionen ihrer Stämme folgen.

Papst spricht Opfern in Australien und USA sein Mitgefühl aus

Viele Jugendliche wurden geschlagen und sexuell missbraucht. Die Schulen wurden zwar staatlich unterstützt, überwiegend aber von der katholischen Kirche geführt.

Benedikt XVI. hatte 2008 auch zu den Sexskandalen der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten und Australien Stellung bezogen. Er sprach den Opfern offiziell sein Mitgefühl aus und verurteilte australische Geistliche für ihre Taten. Australiens Regierung hatte sich erst 2008 offiziell bei den Aborigines für die Gräueltaten der Vergangenheit entschuldigt.

Kanada zahlte Entschädigung

Die kanadische Regierung zahlte den Ureinwohner vor wenigen Jahren zwei Milliarden Dollar Entschädigung für die physischen, psychischen und sexuellen Misshandlungen, die sie erlitten haben. Mit der Zahlung wollte das Land einen Schlussstrich unter eines der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte ziehen.

Experten führen die Probleme der Ureinwohner, vor allem den weit verbreiteten Alkoholismus, Gewaltausbrüche und Inzest, auf das über Generationen hinweg erlittene Unrecht in den Internatsschulen zurück. (sh/dpa/Reuters)

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