Karneval : Kölns Konzept: Mehr als eine Armlänge

Nach den Vorfällen der Neujahrsnacht wird der Karneval in der Domstadt mit 2500 Polizisten gesichert.

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Der Rosenmontagszug - hier in Köln - ist immer ein Höhepunkt im Karneval.
Der Rosenmontagszug - hier in Köln - ist immer ein Höhepunkt im Karneval.Foto: dpa

Tipps für den richtigen Armlängen-Abstand gibt Kölns Oberbürgermeisterin nicht mehr, wohl aber eine Reiseempfehlung für die kommenden Tage. Der Karneval in der Domstadt sei sicher, das Mitfeiern könne sie bedenkenlos empfehlen, sagt die parteilose Henriette Reker. Gemeinsam mit ihrem neuen Polizeipräsidenten stellte sie am Montag ein überarbeitetes Sicherheitskonzept vor. Es soll garantieren, dass sich sexuelle Übergriffe wie in der Silvesternacht am Hauptbahnhof nicht wiederholen. Wichtigste Punkte: Mit 2500 Polizisten werden zur Weiberfastnacht am Donnerstag mehr als doppelt so viele Beamte wie im Vorjahr eingesetzt, hinzu kommen hunderte Mitarbeiter des Ordnungsamts sowie privater Security-Firmen. Manche Kollegen hätten extra ihren Urlaub abgebrochen, heißt es. Mobile Leuchtmasten sollen dunkle Ecken ausstrahlen, im Hauptbahnhof tragen Bundespolizisten sogenannte „Bodycams“, um abzuschrecken und Straftaten zu dokumentieren. Zudem wird ein Anlaufpunkt für Frauen eingerichtet, die sich belästigt fühlen und direkt Anzeige erstatten wollen. Dass es solche Fälle geben wird, hält Polizeipräsident Jürgen Mathies für wahrscheinlich: „Auch in den vergangenen Jahren sind zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag stets etwa 50 Sexualstraftaten angezeigt worden.“ Mathies ist erst seit zwei Wochen im Amt, sein Vorgänger war wegen der Silvester-Übergriffe und Kritik an deren Aufarbeitung in den Ruhestand versetzt worden.

Stadtbekannte Diebe bekommen Betretungsverbote

Die Zahl der Anzeigen nach der Silvesternacht ist inzwischen auf 1020 gestiegen. Zehn Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Doch die Polizei möchte auch andere potenzielle Störer vom Karneval fernhalten: Insgesamt 40 stadtbekannten Taschendieben und Hooligans wurden sogenannte „Bereichsbetretungsverbote“ zugestellt. Die Männer dürfen sich ab Weiberfastnacht nicht mehr in der Altstadt oder an anderen Karnevals-Knotenpunkten aufhalten. Diese Zahl könnte noch deutlich steigen, sagt Mathies.

Was bleibt, ist das „allgemeine Lebensrisiko“, sagt Henriette Reker. Konkrete Hinweise auf Anschlagspläne gebe es nicht, der Polizeipräsident spricht lediglich von einer „abstrakten Terrorgefahr“. In der vergangenen Woche hat die Polizei mit dem Bild einer Überwachungskamera nach einem Mann gefahndet, der in einem Baumarkt in Pulheim bei Köln drei Sorten Chemikalien gekauft hatte, aus denen sich Sprengstoff mischen lässt. Der Mann meldete sich jedoch, es stellte sich heraus, dass er mit den Substanzen Drogen herstellen wollte.

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Nichtsdestotrotz bittet die Polizei, auf martialische Kostüme, die bei der Bevölkerung Panik auslösen könnten, in diesem Jahr zu verzichten. Damit seien „nicht die klassischen Cowboyoutfits mit Spielzeugpistole im Halfter gemeint“, sondern Kostüme mit Sprengstoffgürtel oder täuschend echt aussehende Sturmgewehr-Attrappen. „Die haben wir in den letzten Jahren leider immer häufiger gesehen. Das Problem ist: Wir dürfen sie nicht einfach so konfiszieren.“

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