Welt : Keine Spuren im Sand

Immer mehr Urlauber verschwinden in der Sahara

Ralph Schulze

Nun ist der Verdacht offiziell: In Algerien verschwinden immer mehr westliche Urlauber. Am Mittwoch bestätigte die Polizei, dass vier weitere deutsche Urlauber in Südalgerien verschollen sind. Damit erhöht sich die Zahl der unter mysteriösen Umständen in der Wüste Verschwundenen auf 21 Personen: 16 Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer, die in fünf kleinen Reisegruppen unterwegs waren. Alle sind wie vom Erdboden verschluckt, und es wird befürchtet, dass sie entführt worden sind. Das deutsche Außenministerium: „Wir können nichts ausschließen." Die zuletzt als vermisst gemeldete Gruppe besteht aus vier Urlaubern aus Augsburg, die mit zwei Geländewagen in Algerien unterwegs waren. Am 8. März wurden sie nach Polizeiangaben das letzte Mal auf einer algerischen Piste Richtung Süden gesehen, eine Woche später gab es noch einmal einen Telefonkontakt, seitdem sind die vier spurlos verschwunden.

Spekulation um Al-Qaida

Genauso wie zuvor eine sechsköpfige Gruppe aus Bayern, die mit drei Geländefahrzeugen unterwegs war, die seit dem 17. März mit ihren Besatzungen verschollen sind. Oder die sieben Motorradfahrer (sechs Deutsche, ein Niederländer), die in zwei Gruppen fuhren und seit Ende Februar vermisst werden. Hinzu kommen schließlich vier Schweizer, die mit einem Kleinbus die algerische Sahara befuhren und ebenfalls seit Ende Februar kein Lebenszeichen mehr senden. Alle durchfuhren dieselbe Region, die berühmten Wüstenpisten zwischen Bordj Omar Driss, Illizi, Djanet und Tamanrasset, und alle sind samt ihren sieben Motorrädern und sechs geländegängigen Fahrzeugen verschwunden. Erstaunlicherweise verliert die staatliche algerische Presse-Agentur keine Zeile über das Vermisstendrama, in dem alles auf eine organisierte Kidnapper-Aktion hinweist. Auch Algeriens sonst so muntere Medien sind offenbar zum Schweigen verdonnert worden. Nur ein Blatt, „Le Matin", traute sich bisher auszusprechen, was viele befürchten: Die Urlauber befinden sich möglicherweise in der Hand der berüchtigten Al-Qaida-Gruppe GSPC, die im Süden Algeriens und im Grenzland zu Mali und Niger operiert. Das algerische Regime hat ganz offensichtlich kein Interesse daran, dass diese Serie von verschwundenen europäischen Urlaubern Schlagzeilen macht. Schließlich steht viel auf dem Spiel. Seit Jahren versucht dieses Land, dessen Führung seit elf Jahren von Islamisten bekämpft wird, sich eine demokratische Fassade zu verleihen. Westliche Investoren sollen angelockt werden. Auch der Tourismus spielt eine immer größere Rolle. 200000 Urlauber kommen bisher pro Jahr. Das Ziel lautet, über eine Million abenteuerlustige Gäste ins Land zu locken. Vor allem der Wüstentourismus wird immer beliebter – besonders in Deutschland.

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