Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein aufmüpfiger Dandy

Jennifer Wilton

Vor einer Weile war der Gesuchte einmal in Berlin. Und er enttäuschte sein Publikum auch dieses Mal nicht: Der "Mann vom Mars", wie er sich selbst einmal nannte, trat natürlich im maßgeschneiderten weißen Anzug auf.

In seinem Heimatland ist er schon so etwas wie eine lebende Legende. Für andere Legenden interessierte er sich denkbar früh. Bereits mit neun Jahren versuchte er sich als Napoleon-Biograf, wenig später kam ihm die Idee, das Leben Mozarts anschaulich in einem Comic darzustellen.

Seine Ausbildung war nicht irgendeine: Er sollte sie schließlich mit der Promotion an der Universität in Yale abschließen. Das Angebot, an der Uni zu bleiben, schlug er aus, auch wenn die Alternative zunächst nur der Posten des Lokalreporters eines Provinzblattes war. Mit 28 Jahren aber war er schon zum Lateinamerika-Korrespondent einer großen amerikanischen Zeitung aufgestiegen. Und dann war er nicht mehr aufzuhalten. Gestärkt durch einige Preise zog er aus, New York zu erobern. Er tat es im Sturm, ohne jemals ein Blatt vor den Mund zu nehmen und mit einem untrüglichen Gespür für jeden neuen Trend.

Doch "Mr. Zeitgeist", wie er bald genannt wurde, hatte noch ehrgeizigere Ziele. Frischer Wind in die muffigen Redaktionen! Eine neue Art der Berichterstattung, die der "chaotisch, zersplittert, ziellos, unzusammenhängend, mit einem Wort: absurd" gewordenen Realität gerecht würde. Er wurde zum Zugpferd einer neuen Bewegung innerhalb des Journalismus. Als dieser irgendwann ein wenig die Luft ausging, schrieb er seinen ersten Roman. Natürlich ein Bestseller. Wie auch die folgenden, bis heute.

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