Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein provokanter Ghostwriter

Jennifer Wilton

Auf Konventionen gab er sein Leben lang nichts. Schon mit zehn Jahren sorgte er für Aufregung, als er nackt durch den Senat seines Heimatlandes rannte, später stellte er vor allem die Menschen seiner Umgebung bloß. Vom Schreibtisch aus, diesmal. Angesichts der Kreise, in denen er sich bewegte, lohnte sich das auch. Immerhin ist er Mitglied einer der mächtigsten Familien des Landes, verwandt mit zwei Präsidenten und einem Vize-Präsidenten. Manch einer hätte ihm wohl gerne den Mund verboten.

Als er mit 21 Jahren seinen ersten Roman veröffentlichte, feierten ihn die Kritiker. Und obwohl die nachfolgenden Werke nicht immer den großen Anklang fanden, entschied er sich beruflich für die Literatur. Er hätte auch in die Politik gehen können. Ein paar Schritte in diese Richtung hat er getan.

Als auch die literarische Karriere vorübergehend ins Stocken geriet, arbeitete er eine Zeitlang als Ghostwriter. Eine Tätigkeit, die einer gewissen Geltungssucht, wie sie ihm von seinen Gegnern vorgeworfen wurde, wahrscheinlich nicht entgegenkam. Wenn auch sein Hang zur Provokation kaum in Frage steht: seine Äußerungen basierten stets auf scharfsinnigen Analysen. Er mischte sich ein. Für ihn sollte nicht gelten, was er einmal von den Menschen im Allgemeinen behauptet hatte: Dass sie damit ausgelastet seien, viel Geld zu verdienen und sich dick und rund zu essen.

Besonders schneidend wurde - und wird - er, wenn es um sein Heimatland geht. In dem residiert er allerdings schon seit längerem nicht mehr. Sein neues Zuhause ist übrigens so schön, dass sich angeblich selbst der deutsche Kanzler dafür als Feriendomizil interessierte.

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