Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein sparsamer Regisseur

Roland Schulz

Am Anfang stand ein Erdbeben. Eine kleine Naturkatastrophe nur, nichts Gewaltiges. Und doch der Auslöser für den größten Erfolg in seinem Leben. "Ich habe schon einige Überschwemmungen, Erdbeben, Rassenunruhen und andere Katastrophen erlebt", sollte er später einem Reporter diktierten - aber dieses eine Erdbeben in Kalifornien war anders. "Meine Nachbarn haben nie mit mir gesprochen", sagte er. "Dann kam das Erdbeben, und wir standen auf der Straße und sprachen darüber, dass es keine gute Idee sei, die Kerzen im Haus anzuzünden. Plötzlich redet man miteinander. Plötzlich mag man sich und fängt an, einander zu helfen. Plötzlich hat man so ein Gefühl, zusammenzugehören."

Es muss ein erhabenes Gefühl gewesen sein, denn daraufhin machte er sich daran, dieses Gefühl und diese Erfahrung zu zeigen. In einem Film. Rund 70 Millionen Dollar soll er gekostet haben. Andernorts wäre das viel Geld, nicht so in Hollywood, da wird so etwas unter vergleichsweise günstig verbucht.

Das Publikum mochte dieses Wir-Gefühl angesichts der Vernichtung, das der Regisseur da beschwor. Und dann war der Film auch noch so amerikanisch, obwohl der Gesuchte eigentlich gar nicht aus den USA kommt. Jedenfalls spielte der Streifen vielmehr ein, als er gekostet hat.

Und weil das so gut geklappt hat, machte der Mann wieder einen Film. Der wurde noch viel amerikanischer als der davor. Obwohl, wie gesagt, der Regisseur, den wir hier suchen, stammt ganz woanders her, aus einer Gegend übrigens, die als ziemlich sparsam verschrieen ist.

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