Welt : Kennen Sie die?: Gesucht: Eine hartnäckige Streiterin

Roland Schulz

Wenn er an sie denke, so schrieb Franz Josef Wagner einmal in seiner Kolumne bei der "Bild"-Zeitung, denke er an "warmen Camembert, echtes französisches Weißbrot, Rotwein und Diskussionsabende, die sich um die Kopftuchdebatte drehen." An was sie denkt, wenn sie über Franz Josef Wagner sinniert, ist nicht bekannt.

Sie kennt blumig-gehässige Beschreibungen dieser Art, die meist von Männern stammen, allerdings zur Genüge. Bis jetzt hat sie sich davon erst einmal beeinflussen lassen, 1975 war das. Da erschien in einem Münchener Boulevard-Blatt ein Artikel, der ihr bescheinigte, eine verbissene Predigerin zu sein, und dazu ein Foto, das sie lächelnd zeigte. Unter dieses Foto schrieben die Journalisten den Satz, dies hier sei die böse Hexe mit dem stechenden Blick. Daraufhin beschloss sie, in Zukunft auf die Brille zu verzichten, die sie bis zu diesem Zeitpunkt immer getragen hatte, und stattdessen Kontaktlinsen zu tragen. Darüber hinaus gab es in ihrem Leben kaum Kompromisse: Sie weiß, was ihre Anliegen sind - und sie verficht ihre Sache heute wie immer schon hartnäckig.

Begonnen hatte ihr Kampf mit einem viel beachteten Artikel in der Illustrierten "Stern", den sie nach einem französischen Vorbild initiiert hatte und in dem sich viele Menschen einer Straftat bezichtigten. Dieser Artikel, urteilte sie danach selbst, sei die Geburtsstunde einer neuen Bewegung in Deutschland gewesen - ihrer Bewegung. Sie selbst machte als Journalistin noch weiter von sich reden. Aber nicht mehr im "Stern". Sie gründete eine neue Zeitschrift, die heute weltweit einzigartig ist.

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