Welt : Kennen Sie die?: Gesucht: Eine Vorreiterin in der Wüste

Roland Schulz

Es war keine Frage. Damals, an jenem Tag, an dem sie ein Erkennungszeichen zu küren hatte, auf dass sie jeder alle Zeit ausmachen könne bei ihrer Arbeit, entschied sie sich für die Schwalbe. Gewissermaßen als Wappentier, denn die Schwalbe, dieser Zugvogel, ist wie sie - ständig unterwegs. Dazu wählte sie eine Grundfarbe von "einem rotgelben, wüstensandähnlichen Ton, der in eine azurblaue Fläche übergeht. Sie symbolisiert", erklärt sie, "den Himmel. Darauf ist die Schwalbe zu sehen."

Damit wäre eigentlich alles gesagt über diese Frau, die wie keine andere als Vorreiterin in einem Bereich gilt, der lange Jahre nur Männern vorbehalten war. Ist ja auch logisch, findet die Physikerin, können Männer doch bei dieser Arbeit, die manchmal einen Tag ohne Unterbrechung dauert, "Pipi in einen Schlauch machen. Bei uns Frauen gibt es keine Pipi-Vorrichtungen, außer Windeln." Und mit Windeln könnte sie nicht arbeiten, weil sie ständig sitzen muss, egal ob sie gerade auf dem Eis und Schnee der Arktis, in der Prärie Nordamerikas oder den Wüsten Afrikas arbeitet.

Diese Wüsten sind ihre liebste Arbeitsstätte. In ihnen kennt sich die 38-Jährige aus, soweit das möglich ist in einem Beruf, in dem Profis wie sie ständig unterwegs sind und allein in den ersten 20 Tagen eines jeden Jahres mal 10000, mal 12000 Kilometer auf dem Tacho ihrer Firmenwagen sammeln. Das ist eine Kleinigkeit.

Inzwischen ist sie so erfolgreich, dass ihre männlichen Konkurrenten ihr zutrauen, die erste Frau zu werden, die eines Tages die Krone ihres Berufsstandes trägt - eine Auszeichnung, die allein erhält, wer die härteste und längste Herausforderung dieses Metiers nicht nur übersteht, sondern vor allem schneller als alle anderen ist.

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