Kindermord : Lebenslang für Eltern von Dennis

Die Eltern des kleinen Dennis sind zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt worden. Die 44 Jahre alte Frau und ihr 38 Jahre alter Mann hatten seine Leiche zweieinhalb Jahre lang in ihrer Kühltruhe versteckt.

Cottbus - Die Eltern des verhungerten Dennis, dessen Leiche zweieinhalb Jahre lang in ihrer Kühltruhe versteckt war, sind wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Cottbus sah es als erwiesen an, dass die 44 Jahre alte Frau und ihr 38 Jahre alter Mann das sechsjährige Kind Ende 2001 qualvoll sterben ließen. Die Richter hielten den Vorwurf des Mordes und der Misshandlung eines Schutzbefohlenen für erwiesen. Die Verteidiger kündigten Revision an.

"Die Eltern haben Dennis völlig unzureichend ernährt und seinen Tod billigend in Kauf genommen", sagte der Vorsitzende Richter Roland Bernards bei der Urteilsbegründung am Montag. Der Junge habe bei seinem Tod nur noch etwa fünf Kilogramm gewogen. "Die Eltern handelten grausam und mit bedingtem Vorsatz", betonte er. Sie hätten sich mehrmals gestritten, ob sie für den seit dem Jahr 2000 sichtbar abgemagerten Jungen ärztliche Hilfe holen sollten. "Letztlich entschieden sie sich aber gegen Hilfe und damit gegen das Kind", sagte Bernards.

Während des Urteilsspruches in dem voll besetzten Gerichtssaal legte die Mutter, wie auch schon an den Prozesstagen zuvor, ihr Gesicht in die Hände und sah mit Tränen in den Augen nach unten. Ihr Mann hielt den Blick ebenfalls gesenkt, ohne eine äußere Regung erkennen zu lassen. Ihre Verteidiger hatten für beide auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert und Bewährungsstrafen beantragt.

Das Gericht wies die Anträge der Staatsanwaltschaft auf Haftbefehle zurück, da keine Fluchtgefahr bestehe. Deshalb bleiben die beiden arbeitslosen Angeklagten auf freiem Fuß, bis das Urteil rechtskräftig wird.

Zuschauer im Gerichtssaal äußerten sich zufrieden: "Das ist eine gerechte Strafe, alles andere wäre inakzeptabel", sagte eine Frau. "Ich habe die Eltern oft in der Kneipe sitzen sehen, während die Kinder ankamen und vor Hunger ums Abendessen bettelten."

Die elffache Mutter hatte den toten Dennis nach Überzeugung des Gerichtes kurz vor Weihnachten 2001 in die Kühltruhe der Cottbuser Wohnung gelegt. Dort fanden vom Jugendamt alarmierte Polizisten seine Überreste im Juni 2004. Zeugen des Jugendamtes und des Schulamtes berichteten in dem seit Ende Oktober dauernden Prozess, dass die Mutter sie damals belogen und ihnen erzählt habe, Dennis sei wegen Diabetes in einem Berliner Krankenhaus und danach zur Rehabilitation. Auch der Vater will vom Tod des Jungen nichts gewusst haben.

"Die Mutter hatte Angst um ihre anderen Kinder, falls der tote Dennis entdeckt wird, und der Vater schwieg wegen des Familienfriedens", sagte Bernards. Der Richter kritisierte die Behörden in Cottbus. Sie hätten bei den Eltern nicht die Schulpflicht von Dennis durchgesetzt. Damit konnte sein Verschwinden so lange unbemerkt bleiben. Die Eltern lebten mit Dennis und sieben seiner Geschwister in ihrer Plattenbauwohnung. (Von Peter Jähnel, dpa)

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