Klimaforschung : Erderwärmung begünstigt die extreme Kälte

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Wo bleibt die Erderwärmung? Das fragen sich derzeit viele Menschen. Kalt und schneereich zeigt sich der Dezember hierzulande, ähnlich wie der vergangene Winter, der klirrend war wie lange nicht. Aus Sicht der Klimaforscher ist das aber kein Widerspruch. „Erderwärmung bedeutet nicht, dass die Temperatur linear ansteigt, in Wirklichkeit schwankt sie stark und lediglich die Mittelwerte steigen langfristig um wenige Zehntelgrad Celsius“, sagt Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Im Rahmen dieser Schwankungen sind recht kalte Winter normal, auch zwei oder drei in Folge. Langfristig gehe es aber mit den Temperaturen aufwärts, sagt der Wissenschaftler. Und noch ein Effekt spielt beim Winter-Paradox eine Rolle. „Mit dem Fortschreiten des Klimawandels häufen sich die Extreme, zu denen auch ungewöhnlich kalte und schneereiche Winter gehören“, sagt Gerstengarbe. „Insofern sind solche Extreme auch künftig zu erwarten, wobei das Wort nicht immer gerechtfertigt ist.“ Der letzte Winter belege auf der Rangliste der kältesten Winter seit 100 Jahren nicht mal Platz 20, erläutert der Wissenschaftler. „Wir sind solche Wetterverhältnisse einfach nicht mehr gewöhnt.“

Die Erderwärmung kann kalte Winter in Europa sogar begünstigen – vorausgesetzt, die üblichen Wetterfaktoren spielen mit. Zu diesem Schluss kommt Vladimir Petoukhov, der ebenfalls am PIK arbeitet. In einer kürzlich veröffentlichten Studie beschrieb er basierend auf Computersimulationen folgendes Szenario: Wenn im Zuge steigender Temperaturen in der Barent- und Karasee nördlich von Norwegen und Russland das Eis schrumpft, „heizt“ das Meer die unteren Luftschichten. Dadurch verändern sich die Luftströmungen, kalte arktische Luft weht dann ins Zentrum Europas. Genau das sei etwa im Winter 2005/06 passiert. Mojib Latif vom IFM-Geomar in Kiel widerspricht dieser These: „Die Computermodelle des Weltklimarats haben den Rückgang des Meereises ebenfalls simuliert und kommen nicht zu diesem Ergebnis.“ Ralf Nestler

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